Intensiver ästhetischer Horrorthriller, der seiner Zeit in technischer Hinsicht um Längen voraus war. Die bedrückenden und unerklärlichen Angriffe von Wildvögeln auf das Küstenörtchen Bodega Bay bilden ein geschicktes dramaturgisches Zusammenspiel mit der Entwicklung der Figuren und ihrer Einsamkeits-Bewältigung. Die sympathischen - und zu jeder Zeit überzeugenden - Hauptdarsteller schaffen Vertrautheit, karikieren gleichzeitig aber klassische Vorurteile, ohne den erhobenen Zeigefinger:
Das auf ihre Urlaubsexzesse reduzierte It-Girl und der charismatische Junganwalt zeigen während der permanenten Bedrohungssituation Mut und reflektiertes Verhalten, an dem letztendlich die gesamte Familie wächst und Lösungen für das Problem sucht. Fünf Jahre später wird George A. Romero ein ähnliches Szenario noch intensiver für die Entwicklung seiner Charaktere und Story in "Night of the living dead" nutzen.
Die Vögel ist zugleich beklemmender Thriller wie technischer Meilenstein des Horrorfilms, lässt aber auch den Darstellern genug Raum, um ihre Rollen und das Zusammenspiel zu vertiefen. Die Story ist nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern bettet die Figuren mit allem Respekt für ihre Entwicklung in eine höchst mysteriöse Situation ein, die über die komplette Länge des Films heute wie damals fesseln kann.
10/10