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Natürlich wäre zu befürchten gewesen, dass die Klogeschichten aus Deutschland auf dem Fäkalniveau des hinlänglich bekannten Regie-Duos Friedberg/Seltzer landen könnten, doch die fünf Episoden kommen völlig ohne Gags unterhalb der Gürtellinie aus. Vielmehr setzen die Autoren und Macher Sören Hüper und Christian Prettin auf teils typisch deutsche Klischees und reichern diese mit schwarzhumoriger Situationskomik an.

In fünf voneinander unabhängigen Geschichten, welche sich allesamt an verschiedenen stillen Örtchen abspielen, geht es um eine Höchstleistungsschwimmerin vor der gefürchteten Dopingkontrolle, ein Baumarktmitarbeiter wird zum unfreiwilligen Beichtvater und hört sich die unglaubliche Lebensbeichte eines Rentners an, ein skrupelloser Sanitätsverkäufer wittert bei einem Pflegefall den großen Reibach, zwei Jugendliche verprügeln einen Rentner und rechnen nicht mit seiner Gegenwehr, während zwei Tussen während einer Gala einen Zickenkrieg anzetteln.

Die Episoden werden nicht nacheinander und in sich abgeschlossen erzählt, sondern abwechselnd Stück für Stück wiedergegeben, was in einigen Fällen für zusätzliche Spannung sorgt. Beim Fall der anstehenden Dopingkontrolle agiert der Arzt unter Zeitdruck so gelassen und rational, als sei es normal, dass Sportler grundsätzlich allerlei Tricks anwenden, um etwaige Urinproben neutral erscheinen zu lassen. Der alltägliche Wahnsinn wird auch anhand des Vertreters herrlich auf die Spitze getrieben, da es zunächst nur um eine Sitzerhöhung für die Toilette geht, die möglichen Kosten zum Wohle ihres pflegebedürftigen Mannes jedoch von der Ehefrau getragen werden müssten, welche infolge einiger Beispielrechnungen schon bald an die 20.000 Euro heranreichen. Es schwingt viel Sarkasmus mit, in dem oft mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit steckt.

Über die Stränge schlägt indes das Kapital mit den pöbelnden Jugendlichen und dem Rentner, obgleich die Moral durchaus Freude bereitet. Im Verlauf verkommen die Beteiligten jedoch zu Karikaturen, das Szenario wirkt phasenweise comichaft überzeichnet und auch die Pointe fällt nicht wirklich zufrieden stellend aus. Dieses trifft auch auf die Geschichte mit den neureichen Zicken zu, da deren oberflächliches Gelaber binnen weniger Momente durchschaut ist, zumal beide dermaßen unsympathisch erscheinen, dass die Auflösung letztlich gar nicht mehr interessiert. Weitaus spannender ist derweil die Lebensbeichte des alten Mannes aufgezogen, was in der geschilderten Mischung aus Selbstjustiz und bizarrer Freundschaft überaus makaber daherkommt und der daraus resultierenden Haltung des unfreiwilligen Beichtvaters eine Stimmung zwischen Beklemmung und Befreiung verbreitet.

Zwar werden einzelne Episoden zuweilen etwas statisch und zu lange in sich verweilend vorgetragen, doch auf darstellerischer Ebene können die durchweg treffend besetzten Mimen vollends überzeugen und auch die zweckdienliche Ausstattung geht komplett in Ordnung.
Was zunächst wie die oberflächliche Ansammlung typisch deutscher Klischees anmutet, entpuppt sich als über weite Teile illustres Sammelsurium über Niedertracht, Gerechtigkeit, fragwürdige Moral und sarkastische Grundhaltungen.
Leider schwächeln einige Pointen und die eine oder andere Auflösung ist weit im Vorfeld absehbar, doch die teils bissige Herangehensweise vermag mithilfe der größtenteils gut durchdachten Dialoge ordentlich zu unterhalten.
Knapp
7 von 10

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