Es gibt da so eine bestimmte Art Filme. Sie treten massenhaft auf, man kann ihnen überall begegnen, aber ihr natürliches Revier ist das Wochenende. Nachmittags. Im Fernsehen.
Dort treiben diese possierlichen Filme dann ihr Unwesen, darauf lauernd, von unbescholtenen Zuschauern angezappt zu werden. Geschieht so etwas, sagt sich der Zappende zumeist: „Och, läuft ja eh nichts Besseres“, und bleibt bei einem dieser Filme hängen. Dass er am Abend dann schon wieder vom Zuschauer vergessen ist, stört den Film kaum. Dass er dramaturgisch keine Bäume ausreißt, fast nur aus bekannten Versatzstücken montiert ist, egal. Denn er schafft es, zu unterhalten. Er weiß, er wird noch Dutzende Male zum Wochenend-Einsatz ausrücken, um weiteren hilflos durchs Programm schaltenden Menschen aufzulauern.
STEALING HARVARD, zu Deutsch SCHWERE JUNGS (nahe liegend, ain´t it?), gehört, das mag man aus obigem Absatz herausgelesen haben, zu dieser Filmgattung.
Ein Film ohne Ecken und Kanten, der tut garantiert niemandem weh, schwimmt sogar in Milch. Verwunderlich, denn er wurde mit der Teilnahme von MTV-Kasper Tom Green beworben, und der ist ja nun nicht unbedingt als Aushängeschild harmlosen Humors bekannt. Hier jedoch hat er ein paar Gänge heruntergeschaltet und passt sich einer für ihn untypisch netten Geschichte aus der Feder von REINE NERVENSACHE-Autor Peter Tolan an. Diese bringt uns die Zwickmühle von John Plummer (Lee) näher, der mit Hilfe seines Kumpels Duff (Green) auf Räubertour geht, um seiner Nichte das vor Jahren im Affekt versprochene Collegegeld zu sichern. John hätte die Kohle zwar, aber die will seine Freundin unbedingt zum Kauf eines Eigenheimes nutzen. Bei ihren kriminellen Aktionen kollidieren John und Duff allerdings mit beiden Seiten des Gesetzes und haben bald einen fanatischen Witwer, einen hartnäckigen Cop und einen Haufen Gangster an der Backe…
…und das reizt schon zu dem einen oder anderen Lacher. Wenn unsere Protagonisten sich beispielsweise vor dem Supermarkt, den sie zu überfallen gedenken, erstmal in die Haare kriegen, wer den cooleren Decknamen bekommt. Oder die Szene, in der Tom Green sich ein kleines Zubrot verdient, indem er Alkohol an Teenies verkauft:
„Diese Kids verdienen es sich zu betrinken. Das ist Teil des American Dream“.
„Dein American Dream hat uns gerade den Stinkefinger gezeigt”.
„Ja, das ist ihre Freiheit“.
Der Witz liegt eher in den Dialogen, heutzutage fast schon untypisch für amerikanische Komödien, was dem Film immerhin einen kleinen Sonderstatus in seiner Gattung verschafft.
Aus den Schauspielern hätte man fraglos einen wesentlich fieseren Film herauskitzeln können. Der durch zahllose Auftritte in Kevin-Smith-Filmen zotengestählte Jason Lee, Direktmilch-Konsument Tom Green, Schweinebacke Chris Penn, Dennis Farina und „Scrubs“-Oberzyniker John C. Reilly sind auf dem Papier nicht die verkehrteste Wahl, werden jedoch von der gediegen inszenierten Geschichte unter einem Haufen Harmlosigkeit begraben. Aber wir halten fest: Es geht auch schlechter. Wenn man sich erstmal mit dem Gedanken angefreundet hat, dass es heutzutage noch Komödien gibt, die ohne Zynismus und Ekelwitze (naja, bis auf einmal, Stichwort: Zahnbürste) auskommen und funktionieren, kann das ganz entspannend sein.
Lachkrämpfe wird dieser Film vermutlich niemandem entlocken, aber für einen amüsanten Abend/Nachmittag reicht es allemal. Es sei denn, es läuft was Besseres.