Anthony Hopkins ist als Hannibal Lecter auf der Flucht und wird von mehreren Personen gejagt. Ein Ex-Patient, den er zum Krüppel machte, gespielt von Gary Oldman, und die FBI-Agentin Julianne Moore jagen ihn.
Erst einmal vorweg: Es macht eigentlich wenig Sinn, diesen Film zu sehen, wenn man das "Schweigen der Lämmer" nicht gesehen hat. Es gibt einige Anspielungen auf den ersten Teil und vor allem die seltsame und vielschichtige Beziehung zwischen Hannibal und seiner Jägerin kann eigentlich nur verstanden werden, wenn man Teil 1 gesehen hat. Die wichtigsten Änderungen sind, dass der Part der Clarice Starling, der im ersten Teil von Jodie Foster übernommen wurde, dieses mal von Julianne Moore gespielt wird und, dass die Regie, die im ersten Teil von Jonathan Demme geführt worden war dieses mal von Sci-fi-Legende Ridley Scott übernommen wurde.
Aber nun von vorn: Die Story ist nicht schlecht. Die einzelnen Figuren und ihre Rollen in der Geschichte sind gut ineinander verschachtelt, wobei es leider eine große Schwäche gibt, die "Hannibal" bei weitem nicht an "das Schweigen der Lämmer" herankommen lassen. Im ersten Teil war Hannibal in seiner Zelle gefangen, sodass er einige, ihm würdige Gegner hatte, allen voran natürlich Jodie Foster. Doch im zweiten Teil ist Hannibal frei und kann weder von Julianne Moore, noch von Gary Oldman oder von Giancarlo Giannini (als italienischer Polizist) ernsthaft bedroht werden, da er jedem seiner Gegner immer einige Schritte voraus ist. Oldman, den Polizisten und Moores Chef Ray Liotta kann er töten und Moore selbst kann er mit Leichtigkeit entkommen. Wer also schon aus dem Buch wusste, dass Lecter am Ende entkommen kann (Zu denen ich natürlich nicht gehöre), langweilt sich nur, aber auch der "normale Zuschauer" kann sich von Anfang an denken, dass Lecter entkommt, da seine Gegner ihm bei weitem nicht das Wasser reichen können.
Der Anfang des Films läuft relativ langsam an, die einzelnen Figuren und ihre Beziehungen zueinander werden vorgestellt, doch statt dabei in die Tiefe zu gehen versucht der Film durch ein paar blutige Szenen und das entstellte Gesicht von Oldman Spannung aufzubauen, doch der Versuch misslingt. Der Mittelteil verläuft langweilig und höhepunktslos. Spannende Stellen gibt es kaum und auch die Splatter-Szenen verhelfen dem Film, im Gegensatz zum starken ersten Teil, einfach nicht zum zünden. Das Ende ist dann endlich mal spannend, wenn auch sehr eklig. Die Frage, ob Hopkins davor zurückschrecken wird, Moore zu töten bleibt bis Sekunden vor Schluss offen, aber man fragt sich dann doch, warum Scott dies nicht von Anfang an gelungen ist.
Die Charaktere sind ebenfalls nicht so vielschichtig wie in Teil 1. Ridley Scott erspart es sich, die Charaktere von Hannibal und seiner Jägerin noch einmal zu beleuchten, da Jonathen Demme dies bereits im ersten Teil mit Bravour erledigte. Der italienische Polizist ist sehr ergeizig und will Lecter allein fangen, auf ihn wird überhaupt nicht eingegangen, genauso, wie der Charakter von Ray Liotta sehr blass bleibt. Immerhin ist es bei Gary Oldman einigermaßen gelungen, er will sich bei Lecter rächen, da er ihn zum Krüppel machte, ist aber dennoch irgendwie von ihm fasziniert und sammlelt Gegenstände von Lecter.
Die Hintergrundmusik ist gut gewählt und schafft eine gespannte Atmosphäre. Der ganze Film hat eine düstere und finstere Atmosphäre, wenigstens hier beweist Scott sein Können. Die Kulisse von Florenz, natürlich meistens bei Nacht, passt sich der Musik und der Atmorphäre gut an. Dazu schaffen der überaus gemeine Lecter und die heftigen Splatter-Szenen eine Atmosphäre der Angst, die der Film aufgrund der gennanten Defizite leider nicht ausschöpfen kann.
Anthony Hopkins spielt hervorragend und zeigt, dass die Rolle des Hannibal Lecter die beste seines Lebens ist. Er ist ein düsterer, gemeiner, kranker, unmenschlicher, brutaler , herzloser und menschenfeindlicher Kannibale, ist aber andererseits auch inelligent, elegant und auf eine seltsame Art kultiviert. In jeder Sekunde des Films merkt man Hopkins an, dass ihm die Rolle auf den Leib geschneidert ist, ohne ihn hätte man den Film komplett vergessen können. Julianne Moore schafft es, die ehrgeizige Agentin einigermaßen ordentlich zu verkörpern, startet aber leider, den zum Scheitern verurteilten Versuch, Jodie Foster zu kopieren. Gary Oldam ist in seiner Rolle aufgrund des verstümmelten Gesichts kaum zu erkennen, leider sieht man durch die Maske keine Mimik, hier hätte man besser nicht so dick aufgetragen. Ray Liotta und Giancarlo Giannini sind solide. Von Regisseur Ridley Scott hätte ich mehr erwartet, zwar gelingt es ihm eine dunke Atmosphäre zu gestalten und handwerklich ist der Film ordentlich gelungen, aber er schafft es einfach nicht Spannung aufzubauen.
Verglichen mit dem Schweigen der Lämmer schneidet Hannibal sehr schlecht ab, auch roter Drache ist besser. Lediglich den schwachen Hannibal rising kann dieser Teil der Reihe toppen.
Zusammenfassend ist Hannibal ein größtenteils langweiliger Psycho-Thriller mit ein paar ekelhaften Splatter-Szenen, einem starken Anthony Hopkins und einer gelungen Atmosphäre, aus dem Ridley Scott sicherlich mehr hätte machen können, wenn er Hopkins einen würdigen Kontrahenten geboten hätte.