Review

Was waren das für Wellen, die dieser Film damals nach seinem Kinostart geschlagen hat. Manch ein sogenannter Experte plädierte sogar dafür, das so etwas Brutales verboten werden müsste. Nach eigener Sichtung dieses Werkes habe ich mich allerdings gefragt, ob ich den falschen Film gesehen habe. Sicher, es gibt einige Szenen, die schon etwas eklig wirken, aber ich habe die hier gezeigte Härte den Situationen entsprechend eher als ziemlich makaber empfunden.

Wenn man "Hannibal" vor allem im Vergleich mit anderen Werken unserer Zeit vergleicht, dann ist der Härtegrad doch eher als harmlos zu bezeichnen. Ausserdem konnten hier die generell hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, was nicht heissen soll, das dieser dritte Teil der "Hannibal Lecter - Reihe" schlecht ist, nur waren die Erwartungen doch etwas höher gesteckt, vor allem, wenn man, so wie ich, vorher das Buch gelesen hat.

Die Geschichte hält sich zwar noch relativ nahe am Buch, aber es ist mir vollkommen unverständlich, das zum Beispiel einfach Personen weggelassen wurden, die im Buch eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt haben. So wurde im Film gänzlich auf die Schwester von Mason Verger verzichtet, die im Buch als kraftstrotzende Bodybuilderin dargestellt wurde. Das wirkt auf den ersten Blick schon etwas befremdlich, auch wenn es im Endeffekt vielleicht nicht so schwer ins Gewicht fällt.

Auch bei den Darstellern gibt es einige Abstriche zu machen, was aber keineswegs am wieder einmal brillanten Anthony Hopkins liegt, bei dem man immer wieder das Gefühl bekommt, das er die Rolle des Kannibalen nicht nur spielt, sondern richtiggehend lebt, aber Julianne Moore als Clarice Starling ist hier einfach kein gleichwertiger Ersatz für Jodie Foster, die diesen charakter noch in "Das Schweigen der Lämmer gespielt hat. Moore fehlt es etwas an Ausdruckskraft und sie hat nicht den Schuß Genialität, der Foster noch so ausgezeichnet hat. Hier wird zwar eine durchaus routinierte Leistung gezeigt, aber leider auch nicht mehr.

Auch in Sachen Spannung und Atmosphäre kann "Hannibal" nicht hundertprozentig überzeugen, es kommt immer wieder zu kleineren Spannungseinbrüchen und die atmosphärische Stimmung ist nicht annähernd so dicht und bedrohlich, wie im genialen Vorgänger. So bleibt abschließend lediglich positiv zu erwähnen, das es hier eine ordentliche Portion Sarkasmus zu genießen gibt und auch der Sarkasmus nicht zu kurz kommt.

Insgesamt gesehen hat man es hier mit einem recht guten, aber leider nicht aussergewöhnlichem Film zu tun, den man aber locker hätte produzieren können, wenn man sich noch etwas näher an der Romanvorlage orientiert hätte.



7/10

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