Review

An Hannibal scheiden sich wieder mal die Geister, von „langweiligen Rotz“ bis zum „Meisterwerk“ sind alle Meinungen vertreten, wodurch so ein Film jedenfalls für mich noch interessanter wird.
Das Problem bei den ganzen Hannibal Kritiken und Diskussionen ist der Vergleich mit dem ersten Teil, der hier absolut nicht angebracht ist. Allein schon die Regisseure und ihre Stilmittel könnten unterschiedlich nicht sein: Sah der erste Teil noch eher nach einer Fernsehproduktion aus und lebte von der ziemlich dreckigen Atmosphäre und dem ausgefeilten Drehbuch sowie den beiden genialen Hauptdarstellern, setzt Ridley Scott, wie wir es von ihm gewohnt sind, voll auf Visualität.
Aufgrund dieser Tatsache werde ich hier nicht anfangen, „Das Schweigen der Lämmer“ mit „Hannibal“ zu vergleichen, sondern letzteren mal als vollkommen eigenständigen Film bewerten.
Und womit fängt man da am besten an? Genau, mit der Handlung. Die Vorlage stammt wieder von Thomas Harris und ich muss ehrlich sagen, ich fand das Buch ziemlich enttäuschend. Das liegt einfach daran, dass es jedenfalls mir ziemlich zusammenhangslos, verrückt und unspannend vorkam. Den Drehbuchschreibern gelang es leider nicht (trotz erheblicher Umdichtungen), diese Mankos zu beseitigen. Die Handlung hat Hannibal Lecter und niemand anderen im Mittelpunkt und dadurch, dass dieser hier von Anfang an als eine Art unbesiegbarer Übermensch stilisiert wird, ist dem Zuschauer von Anfang an klar, dass ihm nichts passieren kann. Die Rolle von Clarice Starling wirkt wie schmückendes Beiwerk und ist kaum ernst zunehmen, besonders weil sie gegen Ende hin immer kleiner und unbedeutender wird. Genauso sieht mit Verger aus, der hier eher lächerlich als wie ein gefährlicher Gegner wirkt. Dieser Umstand liegt besonders daran, dass sein entstelltes Gesicht oder überhaupt seine ganze Geschichte schon viel zu früh offenbart werden und dem Zuschauer so jede Spannung genommen wird. Der FBI Agent Paul Krendler ist einfach nur ein Klischee und sein Ende schon von Anfang an absehbar.
So fließt die Handlung also dahin, verlagert sich immer mehr auf Hannibal und wird nie richtig spannend. Allerdings wird sie auch nie langweilig, ich habe mich jedenfalls den ganzen Film unterhalten gefühlt. Aber mit einem echten Thriller hat das ganze nix mehr zu tun, dafür ist einfach alles zu vorhersehbar. Stattdessen verkommt der Film zu einer One Man Show für Anthony Hopkins, der hier wirklich (wie nicht anders zu erwarten) eine brillante Leistung abliefert. Überhaupt ist der ganze Film in seiner Art sehr auf den Hauptcharakter zugeschnitten, er zelebriert förmlich die Künste, die auch Hannibal so liebt. Und damit meine ich nicht nur die visuelle Arbeit, sondern auch die klassische Musik, die den Film unterlegt sowie das Auge für Details und die Art des Schnittes. Wer das Buch gelesen hat, wird sich sicher noch eher vorstellen können, was ich damit meine. Der Film scheint der Gedankenwelt von Hannibal entsprungen zu sein und wirkt dadurch eben sehr gewöhnungsbedürftig und unkonventionell.

Nun noch etwas zu den Darstellern: Die Rolle von Starling wurde mit Juliane Moore neu besetzt und ich finde, sie spielt diese Rolle vielleicht nicht überragend, aber auf alle Fälle gut. Leider räumt ihr das Drehbuch wenig Platz ein, was zu ihrem Verhängnis wird. Gary Oldman als Mason Verger ist nicht wieder zu erkennen und dadurch kriegt man auch wenig von irgendeiner schauspielerischen Leistung mit. Auch hier macht wieder das Drehbuch und die Regie den Charakter kaputt, indem ihn einfach wie oben schon geschrieben jede Spannung genommen wird. Ray Liotta als FBI Agent ist eine Fehlbesetzung, einfach weil er viel zu durchschaubar und langweilig angelegt ist. Aber eigentlich sind die anderen Schauspieler ja egal, da Hopkins sie sowieso alle in Grund und Boden spielt und sie mit seiner Anwesenheit sofort aus jeder Szene verdrängt.
Die Musik von Hans Zimmer ist für diesen sehr ungewöhnlich und entspricht verzerrter klassischer- und Opernmusik und auch hier merkt man wieder, wie sehr der Film auf Hannibal zugeschnitten ist, da die Musik einfach seinen Charakter zu entsprechen scheint.
Die Regie ist Scott typisch sehr Bildhaft, leider wirken die Bildkompositionen nur in Florenz, sobald der Film in Amerika spielt wird es diesbezüglich eher langweilig und konventionell.
Insgesamt würde ich sagen, dass Hannibal auf keinen Fall ein schlechter Film ist, jedoch durch eine Unkonventionalität und seiner Zuschneidung auf den Hauptcharakter sehr gewöhnungsbedürftig ist. Man hätte sicherlich vieles besser machen können, besonders beim Drehbuch, doch ich habe mich trotzdem bestens unterhalten gefühlt und mehr erwarte ich bei so einer Art Film auch gar nicht.
7/10

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