Dieser Film ist das Mike Leigh Meisterwerk schlechthin. Leigh erzählt die Geschichte der arbeitslosen Familie Pollock in London. Da ist zuerst das schwarze Schaf Colin(genial gespielt von Tim Roth), der ewige Aussenseiter, der wegen seiner Zurückgebliebenheit von seinen falschen Freunden belächelt wird. Sogar sein älterer Bruder Mark nimmt ihn nicht ernst, weshalb er ihn immer "Kermit" aus der Muppetshow nennt. Tagsüber hängen sie mal Zuhause, mal auf der Strasse ab oder spielen aus Langeweile in einer Kneipe mit Skinhead Coxy (wie immer grandios: Gary Oldman) Billiard. Selbst die Eltern Mavis (Pam Ferris) und Frank (Jeff Robert) sind so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, als das sie für die Söhne eine Autoritätsfigur abgeben. Als eines Tages Mavis' Schwester Barbara zu Besuch kommt, und Colin anbietet für Geld ihre Wohnung renovieren zu lassen, wartet schon das nächste Unheil. Mark hakt das Ganze als Ausnutzung ab und so kommt es zu weiteren Streitigkeiten in der Familie.
Mike Leigh zeigt in seinem Spielfilm die bittere Realität, ohne auf die Tränendrüse zu drücken oder ins kitschige überzuwechseln. Mit schwarzem Humor unterlegt, sehen wir die Beziehungen der jeweiligen Familienmitglieder und deren Position in der Gesellschaft. Während Familie Pollock auf Arbeitslosengeld angewiesen ist, hat Barbara's Ehemann ("Spiderman 2"- Schurke Alfred Molina) einen festen Bürojob, aber sogar deren Leben ist alles andere als zufriedenstellend. Für seine Tragikomödie hat sich Leigh eine Topbesetzung ausgesucht. Wer hätte gedacht, dass die späteren Weltstars Roth, Molina und Oldman in einem früheren Lustspiel aufeinander treffen. Auch die Nebendarsteller Pam Ferris, Jeff Robert und Marion Bailey sind von erster Güte. Hier wird mehr improvisiert als gespielt. Wer mal auf Action verzichten will und auf hohen Anspruch setzt, ist hier bestens bedient. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme: 9/10.