Die meisten älteren Semester erinnern sich gerne an das Buddy-Gespann Walter Matthau und Jack Lemmon zurück, welche sich stets kabbelten und doch nicht ohne einander konnten.
Im vorliegenden Road Movie von Aaron Katz und Martha Stephens setzt man ebenfalls auf die Gegensätzlichkeit der Protagonisten, was in Anbetracht eines fehlenden Spannungsbogens jedoch nicht mehr als nett erscheint.
Der frühere Chirurg Mitch (Earl Lynn Nelson) überredet seinen ehemaligen Schwager und Freund Colin (Paul Eenhoorn) zu einem gemeinsamen Trip nach Island, um etwas besser über den Tod seiner Frau hinwegzukommen. Ein kleines Abenteuer für die rüstigen Rentner...
In der Geschichte geht es um Freundschaft, Altwerden, Einsamkeit und Ablenkung vom Alltag der zwei recht gegensätzlichen Figuren. Mitch wirkt oft rastlos, äußerst sich häufig ordinär und macht auch Frauen gegenüber leicht sexistische Andeutungen, ohne dabei jedoch zu ausfallend zu werden. Colin wirkt demgegenüber eher konservativ, teilweise sogar leicht depressiv, meist jedoch besonnen und er hegt ein Faible für Filme.
Bei einer Ausstellung kristallisieren sich die kontrastreichen Meinungen recht gut heraus, doch so manchen Dialogen fehlt es deutlich an Witz und Pointen, während bei den Herren eine Figurenentwicklung außen vor bleibt.
Es sind mehr die Momentaufnahmen, auf welche die Handlung sich fokussiert, - die teils großartigen Landschaftimpressionen von Wasserfällen, Campingplatz und Geysiren schüren durchaus eine gewisse Urlaubsstimmung, doch im Endeffekt werden lediglich Stationen abgeklappert, ohne dass es irgendwann zum Entscheidenden käme. Da besucht man mit Cousine und Freundin einen Club, quatscht ein Paar während der Flitterwochen an, stolziert ins Spa und lässt sich von einer Fotografin im Wasser ablichten, doch so richtig will der Funke nicht überspringen. Der Situationskomik mangelt es oft an Biss, manch improvisiert wirkende Unterhaltung verpufft im Nichts, während der Soundtrack irgendwo zwischen belanglos und nervig schwankt und einiges vom Charme des Rentnerabenteuers raubt.
Obgleich die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt und die beiden mit sichtlicher Spielfreude dennoch subtil und authentisch performen, fallen demgegenüber sämtliche Nebendarsteller ab und wirken teilweise wie Laien, die in manchen Momenten nicht wissen, welchen Blick sie gerade aufsetzen sollen. Trotz des Hintergrundes eines Independent-Streifens fallen solche Aspekte merklich negativ auf.
Ansonsten kommt der Gesamteindruck nicht über leicht beschwingt und teils charmant hinaus, da die Handlung nach kurzer Exposition irgendwo in Island einsteigt und dort auch genauso mittendrin und ohne Pointe endet. Eine Handvoll Schmunzler sind zwar auszumachen und die sympathischen Hauptakteure können einen großen Teil des ausbleibenden Spannungsbogens kaschieren, mit etwas mehr Tiefe und ein paar einschneidenden Ereignissen wäre jedoch deutlich mehr drin gewesen.
Knapp
6 von 10