Zwei junge, bildhübsche, leichtbekleidete und spaßsüchtige Amerikanerinnen sind auf Vergnügungsurlaub. Obwohl ein alter Seebär (Franco Nero) vor dem Betreten der Insel Mamula warnt, können sie es kaum erwarten, mit ihren zwei Begleitern das verlassene Inseldorf zu erkunden. Schon bald entdecken sie ein Gefängnis und den Schauplatz von grausamen Folterungen. Frisches Blut deutet auf ein dunkles Geheimnis. Als die Jugendlichen merken, dass hinter dem Grauen eine tödliche und verführerische Schönheit steht, scheint es fast zu spät, um den Klauen der Nymphe noch zu entkommen…
Spätestens seit A SERBIAN FILM über die Leinwände flimmert und aus Diskussionsforen nicht mehr wegzudenken ist, gilt der serbische Film allgemein als Geheimtipp in Fankreisen. Mit NYMPH nahm sich Drehbuchautor und Regisseur MILAN TODOROVIC, der zuvor den Zombie-Actioner APOCALYPSE OF THE DEAD inszeniert hatte, des allseits beliebten Creature-Movies an.
NYMPH orientiert sich dabei an dem phantastischen und mystischen Stoff des spanischen Horrorklassikers THE LORELEY´S GRASP - DIE BESTIE IM MÄDCHENPENSIONAT von 1974, und strickt um das blutige Geheimnis einer verlassenen Gefängnisinsel mitten im Meer, seine eigene sagenumwobene Legende von einer bildhübschen Meerjungfrau, die mit ihrem Gesang Schiffer in den Tod lockt und sich vom Blut ihrer Opfer ihre Schönheit bewahrt.
Dass A SERBIAN FILM (von seiner kontroversen Handlung einmal abgesehen) vom inszenatorischen Standpunkt aus betrachtet keine Ausnahmeerscheinung war, beweist Todorovics Horrorfilm auf ganzer Linie. NYMPH besticht mit einem hervorragenden Soundtrack, einer vielseitigen Kameraarbeit mit einigen außergewöhnlichen Einstellungen, gelungenen Effekten und einer einfachen Story, die klassische Stilmittel des Gruselfilms mit denen des modernen Horrorfilms kreuzt: Dabei nutzt Todorovic das Setting des alten Gefängnisses, das im zweiten Weltkrieg den Nazis als Konzentrationslager diente, und bringt die dunklen, unterirdischen Tunnel und Korridore perfekt zur Geltung. Der Bodycount ist angenehm über den ganzen Film verteilt - es fließt zwar Blut, aber der Splattergehalt wird nicht über Gebühr strapaziert, sondern entfaltet sich nach und nach und wechselt sich mit sorgsam gesetzten Schocks und Spannungsmomenten ab.
Dabei gelingt es Todorovic den Spannungspegel bis zum Finale konstant hoch zu halten, gönnt er dem Publikum die Auflösung des Insel-Geheimnisses und einen ersten Blick auf die Nymphe erst im letzten Drittel des Films.
Die Kreatur ist dabei, ebenso wie die Effekte, die sie in ein hässliches Monster verwandeln und in Aktion zeigen, wirklich gelungen. Wer hier eine Trash-Granate im Stil von THE ASYLUM vermutet, ist auf dem Holzweg. Bis auf vereinzelte Dialoge, gibt es an NYMPH nichts auszusetzen und der Film ist besser, als der Cover-Text vermuten lässt. Splendid suggeriert einen typischen Teenie-Horror mit den genretypischen Klischees - doch dem ist nicht so. NYMPH überrascht in allen Belangen positiv und setzt mit "Django" FRANCO NERO noch ein weiteren Höhepunkt oben drauf.
Insgesamt ein unterhaltsamer, sich selbst ernstnehmender Genre-Beitrag, der sich im Laufe der Handlung zu einem spannenden Schocker entwickelt. Für Fans des Genre und des spanischen Vorbilds eine absolute Empfehlung!
7/10