Familie Peterson lebt, seitdem ihr Sohn im Irak gefallen ist, in tiefer Trauer. Eines Tages steht der junge, höfliche Soldat David (Dan Stevens), ein Kamerad des Gefallenen aus Kriegszeiten, auf der Türschwelle und überbringt dessen letzte Worte. Tief gerührt nehmen Mutter Laura (Sheila Kelley, TRICKS, LOST) und Vater Spencer (Leland Orser 96 HOURS, SIEBEN) den heimatlosen Ex-Soldat bei sich zuhause auf. David gibt sich dankbar und integriert sich sogleich ins Familienleben. Mehr noch: Er räumt auf und rechnet ab. Mit den Schulschlägern, die Sohn Luke belästigen, und dem Dealer Freund von Tochter Anna (Maika Monroe, IT FOLLOWS). Doch ist David wirklich der, der er vorgibt zu sein…?
THE GUEST von Regisseur Adam Wingard (YOU’RE NEXT) ist Home Invasion der anderen Art. Auf Schockeffekte und Maskierung wird verzichtet. Das Böse deutet sich unterschwelliger an, z.B. mittels diabolischer, akustischer Untermalung, während Hausgast David auf dem Bett sitzt und vor sich hin starrt. Dieser "Evil Sound" verweist den Zuschauer unübersehbar darauf: hier stimmt was nicht. Soldat David hätte gute Chancen bei einem Ryan-Gosling-Lookalike-Wettbewerb. Muckis, Waschbrettbauch und Macker-Allüren sind gegeben. An seiner Seite: Maika Monroe als Teenie-Gwen-Stefani in einer Nebenrolle. Actionmäßig geht David ab wie JOHN WICK oder Neeson in 96 HOURS. Mitunter nur etwas drastischer. Die Frage, ob David gute oder böse Absichten hegt, beantwortet sich erst im Finale, in welchem eine Army-Spezialeinheit (Lance Reddick, THE WIRE, FRINGE) anrückt.
THE GUEST ist ein selbstironischer Genrebastard, der in keine Schublade passt. Die Bandbreite reicht von Familiendrama, Thriller, Komödie bis hin zum Slasher. Wie schon in YOU’RE NEXT spielt Regisseur Wingard mit Klischees und jagt den Zuschauer ins Boxhorn. Ein durchwegs verspieltes, peppiges Konzept, das an die Neon-Ästhetik von DRIVE erinnert und zudem einen sagenhaften 80er-Jahre-Retro-Soundtrack (z.B. DAF – „Tanz den Mussolini“, Sisters Of Mercy – „Emma“) bietet.
Fazit:
Bitterböse, doppelbödig, hinterlistig, selbstironisch. Knallige Retro-Achterbahnfahrt mit defekten Bremen. Bitte nicht ernst nehmen!