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Jessie (Sarah Snook) will gerade mit ihrem Freund zusammenziehen, da werden die beide in einen schrecklichen Autounfall verwickelt. Sie überlebt schwerverletzt, ihr Freund stirbt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, pleite und ohne Bleibe, zieht sie zu ihrem Vater in den Süden Louisianas zurück. Sie ist vorläufig an den Rollstuhl gefesselt, denn ihre Beine sind nach schweren OPs noch nicht belastbar. Ihr Vater, ein grummeliger Eigenbrötler, überschlägt sich nicht gerade mit seinem Engagement für die Tochter, doch schlimmer ist, dass es offensichtlich ein ziemlich fieser Geist auf Jessie abgesehen hat, von dem schon ihre verstorbene Mutter erzählt hatte.

„Jessabelle“ von Kevin Greutert ist ein weiteres Beispiel der effizienten Blumhouse-Produktion in Los Angeles. Für wenig Geld gedreht, ist er nicht trashig oder ein Flop, aber eben auch kein wirklich herausragendes Stück Film – und obwohl Blumhouse auch wirklich exzellente Genre-Filme wie „Sinister“ oder „The Purge“ zu bieten hat. Aber von Anfang an:

„Jessabelle“ erinnerte mich vom Setting und der Geschichte etwas an „The Skeleton Key“ mit Kate Hudson und natürlich an „True Blood“: sozusagen ein Southern Gothic, der mit der düsteren, schwülen Atmosphäre der Südstaaten spielt, mit Voodoo, Aberglaube und tiefen Narben noch aus der Zeit der Sklaverei. Er ist atmosphärisch dicht, gute Musik, eine (relativ) überzeugende Hauptdarstellerin (Sarah Snook stammt aus Australien, ihren US-Akzent hat sie aber gut drauf) und hat einige schöne Schreckmomente – man könnte sagen: ein guter, alter Old-School-Horror (PG-13!) ohne viel Blut und mit etwas Spannung. Allerdings hätte ich mir manchmal gewünscht, man hätte die bekannten Pfade etwas verlassen und die formelhaften Versatzstücke, die das Skript leider mitunter hat, ausgelassen. Gelungen fand ich hingegen das Videotestament der früh an Krebs verstorbenen Mutter, welches immer unheimlicher wird, je mehr sich Jessie die Kassetten anschaut. Auch erklärt sich bald dass abweisende Verhalten ihres Vaters, welches zunächst eher verstörend ist und Jessie sich sehr einsam fühlen lässt.

Das Ende kam nicht völlig überraschend, aber: ein gepflegter, unterhaltsamer Grusler, nicht mehr, nicht weniger. Bisher gibt es den Film nicht, ich habe ihn mir billig in Belgien besorgt und ich bin mal gespannt, ob er hierzulande erscheinen wird.
6/10.

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