Review

kurz angerissen*

Nach dem ohnehin schon offensichtlichen Kuhgemelke „Annabelle“ schreit „Jessabelle“ von Titel wegen Rip-Off, doch überraschenderweise handelt es sich um handwerklich gekonntes Schema F, und zwar vom einleitenden Seitenscheibe-Autounfall-Shot bis zur Twist-Auflösung.

So weiß man gar nicht so recht, ob man sich langweilen oder mitfiebern soll. Während nämlich früh klar ist, dass die Eulen nicht sind, was sie scheinen, beginnt man, auf die unumgänglichen Knotenpunkte im Drehbuch regelrecht zu warten, und sie treten inklusive aller zugehörigen Logikdefizite stets zuverlässig ein. Sogar die Nacht holt sich ihr Exklusivrecht zurück, Schauplatz des Bösen zu sein, und zwar mit Nachdruck, denn der Wechsel zwischen Nacht und Tag wird bisweilen so offensichtlich betont, dass er den Wechsel zwischen Gefahr und Sicherheit regelrecht in roten und grünen Lettern signalisiert. Das lässt durchaus wieder am zuletzt sprunghaft originellen Genre Horror und dessen Progressionsvermögen zweifeln. Sarah Snook legt passend dazu eine markante, gleichwohl nicht sonderlich überzeugende Performance hin; reagiert sie beispielsweise auf VHS-Botschaften ihrer verstorbenen Mutter, so tut sie dies stets mit dem Quäntchen zu viel des Guten, das zu einem Schluss von Overacting und fehlendem Timing führt.

Andererseits hebt sich dieser Vertreter des amerikanischen Post-J-Horror durch seine Louisiana-Atmosphäre angenehm von Artverwandten ab, die überwiegend aus der Anonymität urbaner Gebiete ihren Grusel zu beziehen versuchen. Dem meist körperlosen Geisterfilm wird durch Kevin Greutert („Saw VI“) außerdem eine gehörige Portion Physis eingeimpft. Mag das Anschleichen auch noch so subtil inszeniert werden, bei der endgültigen Manifestation der Schreckgestalt wird es wahrhaft handfest. Wie beim Schlammcatchen geht es da mitunter zu, und was dem einen wieder zu materiell gelöst ist und somit den Schrecken nimmt, bedeutet für den anderen vielleicht eine willkommene Abwechslung, wo man normalerweise bei kalten, aber zarten Berührungen und sanfter Gänsehaut bleibt.

Für einen echten Besonderheitswert reicht ein alternatives Setting und ein paar nett gemachte Gruselmomente jedoch nicht aus; da wäre schon mehr Innovationsdrang vom Schlage „Oculus“ notwendig gewesen.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme