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Der sich für höchst unterschiedlich ausfallende B-Movies wie „The Pandora Project“ oder „Chain of Command“ verantwortlich zeigende Regisseur John Terlesky reiht sein „Supreme Sanction“ qualitativ wie temporär genau zwischen diesen beiden Werken ein. Weder wird die Klasse des „Die Hard“–Rip-Offs erreicht, noch steigt man in die Tiefen der Baldwin-Schlaftablette hinab. Eins haben diese drei Filme jedoch alle gemeinsam – der Plot ist das Ergebnis zusammengerührter Genremotive, die man so oder ähnlich schon zu oft gesehen hat.

Sieht man mal von der zu Beginn geklauten Szene aus dem mäßigen „Top Gun“ – Plagiat „Fire Bird“ ab, so ist „Supreme Sanction“ ein ansehbarer, fürs TV produzierter Thriller, der mit einer ganzen Riege namhafter, zumeist abgehalfterter Stars aufwarten kann. Neben bekannten Genregesichtern wie Michael Madsen („Reservoir Dogs“, „Species“), Ron Perlman („Blade II“, „Hellboy“) und Tom „Tiny“ Lister Jr. („Men of War“, „The Fifth Element“) gibt sich hier auch die nach dem Piloten von Sarah Michelle Gellar ausgebootete Beinahe-Serien-Buffy Kristy Swanson („Hot Shots“,„The Chase“) ein Stelldichein.

Dieser namhafte Cast kann jedoch kaum über die schwache, mit so vielen zu oft gesehenen Versatzstücken vollgestopfte Story hinwegblicken lassen. Da chargiert mal eine megageheime Abteilung der Regierung herum und ausgerechnet der Oberskandalreporter bekommt Wind von der Sache und schlachtet seine Informationen zur Topstory aus. Agent Dalton (Madsen) schickt daraufhin die von Gewissensbissen geplagte Topsniperin Jenna (Swanson) los, damit sie das Plappermaul abknallt. Als dann das Töchterchen auch im Zielkreuz auftaucht, ist es mit ihrer Skrupellosigkeit endgültig vorbei. Desillusioniert verhilft sie Reporter Jordan McNamara (David Dukes) zur Flucht und steht nun selbst ganz oben auf der Abschussliste...

Viel Action wird dabei leider nicht geboten und wenn schon mal die Pistolen gezogen werden, wird auf unspektakuläre Weise und meist unblutig gestorben. Das Budget war hier sichtbar knapp und so beschränkt man sich weitestgehend auf Dialoge, kleinere Actioneinlagen und Anflüge von Humor. Optische Spielereien, wie eine aus dem Lauf eines Gewehrs zurückzoomende Kamera, sind nett, nur leider zu rar gesät.
Der Plot und einige unglaubwürdig konstruierte Situationen (Das Eindringen in einen hochgeheimen Regierungskomplex durch einen, direkt an eine dünne Hotelzimmerwand grenzenden Lüftungsschacht, der noch nicht mal auf irgendeine Art und Weise gesichert ist, bleibt dann auch für B-Standards lächerlich) gehen einigermaßen flott von der Stange und die Schauspielerei fällt überraschend positiv aus. Perlman und Lister Jr. (als Plauderdrogenverabreicher in Priestergewand!) sind in ihren Minirollen zwar hoffnungslos verschenkt, doch Madsen ist im üblichen „Leck mich am Arsch“ - Modus ganz passabel und die süße Kristy Swanson schlägt sich als harter Nikita-Verschnitt bravourös.

Da der listige Dalton natürlich weiß, dass er Jenna nebst Journalisten nicht aus der Reserve locken kann, entführt er, wer hätte es anders erwartet, dessen Tochter, um ihn zu sich zu zwingen. Das klingt nicht überraschend (ist es auch nicht), doch Terlesky inszeniert so ökonomisch, dass „„Supreme Sanction“ die Langeweile zumindest nicht aus jeder Pore trieft. Es überrascht schon, dass im B-Milieu Filme noch von Schauspielerei und Inszenierung, ganz ohne Action und blutige Einlagen, überzeugen können.

Das einzige deutliche Manko ist Jennas schwarzer Partner Marcus (Donald Faison, „Clueless“, „Big Fat Liar“). Als für den Humor zuständiger Spaßvogel gräbt er ständig die sich gar nicht für ihn interessierende Jenna an, macht Faxen wo es nur geht und albert sich durch den Film. Insbesondere während des Einbruchs in den Regierungskomplex, als er wie ein Wilder zur Ablenkung auf dem Bett rumhüpft und Sex zu simulieren versucht, gibt er sich der Lächerlichkeit preis. Wie um alles in der Welt kann man während eines so kniffligen Unterfangens den Kasper raushängen lassen?

Klar, insbesondere am Ende, wenn dann Perlman nochmal einen Laberanfall bekommt und seinen gesamten Plan offenbart, was dann direkt und live über den lokalen TV-Sender ausgestrahlt wird, fragt man sich ob Terlesky, der auch das Drehbuch verfasste, diese frechen Unglaubwürdigkeiten auch noch ernst meint. Dabei sollte man sich aber vor Augen führen, dass man sich hier immer noch in einem B-Film befindet.


Fazit:
Sauber heruntergekurbelter B-Thriller, der nur wenig, unspektakuläre, schwach geschnittene (Mal auf die Schnittfolge während der letzten Schießereien achten! Terlesky lässt erst mal alle nacheinander losballern, bevor er Einschüsse zeigt) Action zu bieten hat, dafür jedoch mit einer einigermaßen spannenden, wenn auch bekannten, Story, ordentlichen schauspielerischen Leistungen und naivem B-Movie-Vereinfachungen aufwarten kann. Nichts Weltbewegendes, jedoch ansehbar.

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