Review

kurz angerissen*

Biografische Dokumentation mal als künstlerisches Anti-Statement, in dem nicht das Besondere gefeiert wird, sondern die Momente dazwischen. Bei Nick Cave ist eben alles ein bisschen anders. „20.000 Days On Earth“ wird natürlich angetrieben von den selbstdarstellerischen Fähigkeiten des Künstlers, doch zugleich betreibt er Understatement, indem er sich selbst als Fallbeispiel nimmt, um einen geradewegs technischen Plan für die Entstehung von Kunst zu entwerfen.
Besondere Aufmerksamkeit neben den teils sehr stilvoll gestalteten Bildmontagen erfahren die Dialoge mit alten Weggefährten, stammen sie nun aus der avantgardistischen (Blixa Bargeld) oder Pop-Ecke (Kylie Minogue). Begriffe wie „Muse“ werden demontiert, um eine weniger ätherische Bezeichnung für die Inspiration zu finden. Eine selbstanalytische Reise in die Vergangenheit zeigt Cave als sehr selbstironischen Weggefährten, der sein eigenes Schaffen nicht allzu ernst nimmt.

Man erfährt letztlich nicht viel über die Hauptperson, weil alles Preisgegebene mit einem Schleier von Unernst bedeckt ist. Die Bezeichnung „Dokumentation“ ist somit ein Trugschluss, denn die Inhalte muss sich der Betrachter durch die Kunstverkleidung hindurch selbst erschließen – das ist anstrengender, aber ohne Zweifel auch spannender und einmaliger.

*weitere Informationen: siehe Profil

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