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Bei Nu Image recycelte man in späteren Jahren gerne mal Stock Footage, aber selten war es so schlimm wie bei Yossi Weins „Reckless“.
Schon zu Beginn ist die einzige aufwändigere Szene ein Todessturz aus „Free Fall“. Hier stürzt der Vater des sechsjährigen Jim Randell in den Tod, als ihn ein paar Gangster von der Klippe schubsen – zuvor ermorden sie noch Frau und Tochter ihres Opfers. Nur Sohnemann Jim überlebt versteckt, doch muss die Chose mit ansehen. Damit wäre dann auch der Anlass für blutige Rache gelegt.
23 Jahre später ist Jim (Michael Paré) ein ganz knallharter Cop, der selbstmörderisch Verbrecher im Dutzendpack umnietet. Als sein Partner bei einem Einsatz tödlich verwundet wird, gesteht er an der Ermordung von Jims Familie beteiligt gewesen zu sein. Er gibt Jim jedoch noch Hinweise, worauf dieser auf Mörderjagd geht…

Yossi Wein ist als Regisseur an sich gar nicht mal der schlechteste, darf aber fast immer nur äußerst mäßige Projekte umsetzen. „Reckless“ bildet da keine Ausnahme, denn das Script taugt nur als Kleister zwischen massig Stock Footage, eine lustlose Mörderhatz ohne große Überraschungen. Mit lächerlich wenigen Hinweisen und Zeugen klärt Jim also das 23 Jahre alte Verbrechen auf, schickt alle Übelwichte unter die Erde und schultert nebenher noch die obligatorische Lovestory mit der Polizeipsychologin, die ihm von Anfang aus unerfindlichen Gründen den Rücken freihält.
Da schon die Story einschläfernd ist, müsste die Action schon großartig sein, um noch ein wenig was zu reißen, aber auch hier bietet „Reckless“ wenig – vor allem wenig Selbstgemachtes. Ein paar mäßig gemachte Keilereien und Szenen, in den Jim um sich ballert – das Ergebnis seiner Schießkünste ist dann quasi immer Stock Footage aus einer anderen Nu Image Produktion.

So taugt „Reckless“ eher als interaktives Ratespiel für den B-Actionfan, denn hier werden Unmengen von Nu Image Produktionen geplündert: „Cyborg Cop 2“, „Cyborg Cop 3“, „Warhead“, „Never Say Die“, „Deadly Takeover“ und „Hard Attack“ gehören zu beklauten Filmen, wobei teilweise fast komplette Actionszenen recycelt wurden. Den Todessturz aus „Free Fall“ verwendet „Reckless“ sogar am Ende des Films für den Tod des Bösewichts noch ein weiteres Mal.
Michael Paré rattert dann wenig engagiert seine Rolle als rächender Held herunter und macht trotzdem noch den besten Job. Der Rest der Besetzung agiert nämlich dermaßen unscheinbar, dass ihre Gesichter bereits am nächsten Tag schon wieder vergessen sind.

Teilweise hat Yossi Wein das Stock Footage wirklich sehr gut zusammengekleistert, aber dem Genrefan fällt trotzdem auf, dass „Reckless“ so gut wie nichts zu bieten hat: Eine stinklangweilige 08/15-Geschichte, so gut wie keine eigene Action und sonst nur massig geklaute Szenen – bestenfalls als Ratespiel zu gebrauchen.

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