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Jeder, der bereits "Open Water" gesichtet hat, kann einigermaßen nachvollziehen, wie es sich anfühlen muss, mutterseelenallein auf offener See zu treiben. Ebenfalls auf einer wahren Geschichte beruhend, ergeht es den Soldaten rund 50 Jahre zuvor in einem Gummiboot nicht wesentlich besser, - die Gesinnung der Überlebenskämpfer ist jedoch eine andere und gestaltet das Dahinvegetieren auf dem Meer ein wenig spannender.

Januar 1942: Die drei US-Piloten Chief Harold Dixon (Garret Dillahunt) und seine Crew Tony (Tom Felton) und Gene (Jake Abel) müssen nach einem Navigationsfehler auf dem Wasser notlanden und schaffen es gerade noch, das Schlauchboot auszubreiten. Hier treiben sie nun im Südpazifik, ohne Nahrung, ohne Wasser und ohne Hoffnung auf eine baldige Bergung...

Das Kammerspiel unter freien Himmel setzt ein wenig Einfühlungsvermögen voraus, denn allzu ereignisreich geht das Abenteuer nicht vonstatten. Nach dem ordentlich inszenierten Absturz und dem panischen Handeln der zwei Nichtschwimmer treibt das Trio einige Zeit auf dem Wasser, bevor sich Durst und Hunger deutlicher bemerkbar machen. Dominieren anfangs noch kleine Auflockerungen wie das Reichen imaginären Morgenkaffees das Geschehen, zeigen sich nach einigen Tagen typische Erscheinungen eines Lagerkollers. Der Ranghöhere an Bord wird zwar respektiert, doch dessen Maßnahmen fürs Überleben scheinen nicht allzu weitreichend durchdacht.

Figurentechnisch reißt die Erzählung nicht allzu sehr mit, da die drei typische Vertreter erfahrener und weniger erfahrener Piloten verkörpern und kaum markante Eigenheiten mitbringen. Hier und da ein minimaler Exkurs mit visualisierter Lebensgefährtin und einigen Tagträumen, doch der große Streit unter den Männern bleibt weitgehend aus, was in Anbetracht einiger Wochen auf engstem Raum fast schon unrealistisch erscheint.

Sehr überzeugend ist demgegenüber das Make-up ausgefallen. Blessuren aufgrund erhöhter Sonneneinstrahlung sind beinahe körperlich spürbar und auch die ausgetrockneten Mundpartien lassen auf akuten Flüssigkeitsmangel schließen. Zudem wirken die drei Mimen tatsächlich zusehends ausgemergelt, da diese während des Drehs nur wenige Kalorien zu sich nahmen und sich teilweise Bärte wachsen ließen. Anbei performen die drei richtig gut, was zur Authentizität des Geschehens beiträgt.

Nur ereignet sich diesbezüglich nicht allzu viel. Mal umkreist ein Hai das Boot, was per CGI nicht allzu überzeugend ausschaut, dann wird auf einen Albatros geballert oder trotz Warnung das Taschenmesser zum Fischfang eingesetzt, bis es schließlich zum Sturm kommt und sprichwörtlich etwas mehr Bewegung im Spiel ist. So richtig mitreißend wird es jedoch zu keiner Zeit.

Obgleich die variable Kamera tadellos arbeitet und ein paar gelungene Unterwasseraufnahmen einbindet, der ruhig gehaltene Score die Einsamkeit der Protagonisten untermauert und die latent ausweglose Situation eine bedrückende Grundatmosphäre schafft, ziehen sich die rund 99 Minuten Laufzeit zuweilen deutlich.
Wer bei "Open Water" mitfiebern konnte, dürfte sich hier heimisch fühlen, alle anderen sehen drei Männer im Boot, denen so langsam die Puste ausgeht.
Okay.
5,5 von 10

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