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Regisseurinnen sind im reinen Action-Genre immer noch ein wenig selten und wer sich in dieses Terrain begibt, wird wohl automatisch an Arbeiten von Kathryn Bigelow gemessen.
Vicky Jewson versteht es, mit ihrem erst zweiten Spielfilm das geringe Budget einigermaßen zu kaschieren, storytechnisch schießt sie jedoch einige Male weit übers Ziel hinaus.

Eigentlich führt Studentin Mina (Sofia Black-D'Elia) ein ruhiges Leben in Oxford, doch das ändert sich, als Unbekannte ihr Elternhaus überfallen und nur sie und ihre kleine Schwester entkommen können. Beim MI6 erfährt Mina, dass der afghanische Terrorist Kalid Blutrache anstrebt, da er Minas Mutter für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht. Gemeinsam mit dem Agenten Simon (James Frain) reist sie in den Mittleren Osten…

Die Exposition springt ins Jahr 1988 zurück, als sich Minas Mutter als reisende Fotografin in Afghanistan befindet und als vermeintliche Spionin gejagt wird. Klugerweise werden einige Details ausgeklammert, da diese im Verlauf noch zu einigen Enthüllungen führen.
Eine etwas längere Actionsequenz folgt kurz darauf, als es zur Home Invasion kommt und sich die Terroristen merklich unprofessionell anstellen, wodurch Mina schon mal ihre Neigung zur potenziellen Gegenwehr unter Beweis stellen kann.

Es folgen einige Verschwörungstheorien, ein wenig Trauerbewältigung und somit ein leichtes Dahinplätschern der Handlung. Sofia Black-D'Elia vermag dies jedoch mit grundsolidem Spiel zu kaschieren, zumal sie schlichtweg eine tolle Ausstrahlung mitbringt.
Etwas schwieriger gestaltet sich das Treiben eher in Richtung Glaubwürdigkeit, wenn aus einer bodenständigen Studentin binnen kurzer Zeit eine Amazone wird, die es mit dem einen oder anderen Terroristen locker aufnehmen kann, sanftes Stoppen eines rollenden Flugzeugs inklusive.

Auf visueller Ebene punkten zwar die unterschiedlichen Schauplätze von London, über das ruhige Oxford bis zum Sonnenuntergang in Jemen, doch die Kamera findet oftmals keinen effektiven Fokus, klebt zu nah an den Gesichtern und kommt bei einigen Actionszenen ein wenig verwackelt daher. Jene fördern indes nicht allzu viele Schauwerte zutage. Es gibt kurze Kampfeinlagen, zwei Explosionen und kleine Verfolgungsjagden, wobei immerhin komplett auf CGI verzichtet wird.

Zwar bleibt das Agenten – und Terroristengedöns weitgehend frei von Klischees, anderweitig sollte man im Verlauf nicht allzu viele Twists und doppelte Böden erwarten. Einige Unwahrscheinlichkeiten sind zu verschmerzen, wogegen die emotionalen Momente zum Teil stark vorgetragen werden und zumindest ein Mitfiebern mit der Hauptfigur ermöglichen.
Ansonsten ein durchschnittliches Action-Drama, welches man eher so im Vorbeigehen mitnehmen kann.
5,5 von 10

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