kurz angerissen*
Mag schon sein, dass das Regisseursduo Maury und Bustillo den Sprung durch diverse Horror-Subkategorien wieder etwas zu blindlings ausführt und waghalsige Kreuzungsversuche unternimmt, die nicht direkt miteinander vereinbar zu sein scheinen. Schon bei „Livid“ war das Bestreben erkennbar, der durch den „Inside“-Erfolg drohenden Reduzierung auf die neue französische Extremhorrorwelle entgegenzuwirken. Aber diesmal wird richtig steil geschossen: Einem (grafisch allerdings zurückhaltenden) Prolog mit Terror-Stimmung und „Inside“-Querverweis folgt ein Aufbau nach King’scher „Stand by Me“-Schule mit klassicher Figurenzeichnung: Drei Kinder - der Einfältige, der Nerd und der Rationale – werden durch eine zufällige Entdeckung aus ihrer Kleinstadtlethargie gerissen.
Was dann folgt, dürfte das Publikum unter Garantie in diverse Lager spalten. Maury / Bustillo streuen die Art des Horrors extrem weit, paaren beispielsweise den für Home-Invasion-Thriller typischen Angriff auf das Geborgenheitsgefühl der eigenen vier Wände mit der Angst vor dem menschlich Deformierten, das hier in Gestalt eines androgynen Albinowesens auftritt.
Dadurch und auch wegen des teilweise seltsamen Schnitts kann untergehen, dass die Handlung eigentlich sehr konsequent den sich trennenden Weg der drei Kinder verfolgt und mit wenigen Mitteln binnen kürzester Zeit ihre unterschiedliche Sozialisierung deutlich macht. Selbst wenn die Erzählung in diesem Mittelteil sprunghaft erscheinen mag, so geht sie doch einen schlüssigen und nicht zuletzt unkonventionellen, mutigen Weg.
Die eigentlichen Schwächen offenbaren sich vielmehr kurz vor Ende, als die Hintergründe weiter ausgebreitet werden und deutlich wird, dass die Erklärung des Monsters einmal mehr an ihrer Banalität scheitert. „Among The Living“ ist weniger aufgrund seiner Gruselgestalten interessant als vielmehr aufgrund seines ungewöhnlichen Weges durch die letzten 30 Jahre Horrorfilmgeschichte.
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