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Es ist nicht teuer, es ist nicht sonderlich aufwendig und wenn jemand so richtig das Publikum spalten will wie Autor und Regieneuling Evan Tramel, geht man direkt zurück zu den Wurzeln und kopiert den Klassiker in Sachen Found Footage: "The Blair Witch Project".

Dem vermeintlichen Serienkiller Raymond droht die Todesstrafe, da er in den vergangenen Jahrzehnten vier Frauen stets zur Wintersonnenwende getötet haben soll. Um die wahren Hintergründe dieser Mordserie aufzuklären, reisen die jungen Dokumentarfilmer Danielle, Andrea, Anthony und Rob am 17.12 in die verschneiten Wälder von Black Water und befragen zunächst Ortsansässige. Nach einigen Nächten in der Wildnis bemerken die vier, dass Raymond offenbar unschuldig sitzt...

In einer Mischung aus dumm und mutig kopiert Tramel Optik und die wesentlichen Storymerkmale der populären Vorlage: Vier Protagonisten, welche einfach mal den Vornamen ihrer Mimen zugeschustert bekommen, ein mehr oder minder austauschbarer Wald, ein bestimmtes Symbol taucht regelmäßig auf, der Doku- Charakter wird durch Pseudo-Interviews verstärkt und wenn es eng wird, muss Nachtsicht aktiviert werden, die Mütze wird über den Kopf gezogen und die Kamera leuchtet von unten, so dass quasi jedes Nasenhaar gezählt werden kann. Dem Titel gemäß gibt es eben nur einen minimalen Unterschied.

Figurentechnisch ist das ein wenig lau, da lediglich Danielle als Initiatorin des Projektes ein wenig hervorsticht und sich umfassend mit den Hintergründen der Mordreihe beschäftigte, während Rob eher der Angsthase ist und die beiden anderen durch nichts auffallen.
Entsprechend zieht sich der Vorlauf ein wenig, doch Dank der durchweg solide aufspielenden Darsteller wirkt das Geschehen zumindest einigermaßen authentisch und auch verfremdetes Archivmaterial in Form älterer Aufnahmen und ranziger Fotos geht als glaubhaft durch.

Als das Grauen schließlich in Erscheinung tritt, ist das Timing zumindest auf der Habenseite zu verbuchen. Aus der Distanz gehen Maskerade, Ausleuchtung und Farbgebung in Ordnung, nur diverse Nahaufnahmen hätte man sich gegen Finale schenken sollen, da hier deutliche Defizite in Sachen Make-up zutage treten. Auch der partielle Einsatz musikalischer Untermalung wundert ein wenig, - da vertraute Tramel offenbar zu wenig der eigentlich dichten Atmosphäre, zumal die isolierte Stimmung in der einsamen Natur sogar dafür sorgt, dass menschliche Erscheinungen plötzlich ein wenig creepy anmuten.
Peinlich ist lediglich die Pointe, denn diese erheitert eher anstatt zu schockieren, da auch hier das limitierte Budget überaus deutlich wird.

Ansonsten ist der Klon nicht gänzlich dilettantisch ausgefallen. Es gibt ein paar recht atmosphärisch dichte Momente und obgleich sämtliche Genrekonventionen bedient werden und die Kamera gegen Ende leider doch ein wenig anstrengt, - lieber eine inszenatorisch brauchbare Kopie mit einer Handvoll spooky und dazugehörigen Logiklücken als eine latente Wackelkamera ohne Sinn und Verstand und womöglich ohne Story.
Über Innovationspreise und Kreativitätsmedaillen muss zwar nicht verhandelt werden, doch wer immer noch Gefallen am Klassiker findet, könnte einen vorsichtigen Blick riskieren.
5,5 von 10

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