Würde es sich im vorliegenden Fall um eine Schmonzette handeln, bekäme man die DVD nach Sichtung wahrscheinlich nicht mehr aus dem Player vor lauter Trief und Schleim. Da der italienische Regisseur und Autor Lucas Pavetto vor Jahren jedoch einen gleichnamigen Kurzfilm (" Il Marito perfetto") für sagenhafte 500 Euro abdrehte und einen blutigen Ehestreit außerhalb jeder Norm präsentierte, ahnen Horrorfans bereits, dass die traute Zweisamkeit nicht lange währen dürfte.
Obgleich sich Nicola (Bret Roberts) die einsam gelegene Waldhütte seines Onkels für ein erholsames Wochenende auserkoren hat, um seine Frau Viola (Gabriella Wright) ein wenig zu verwöhnen, scheint diese noch immer vom Verlust der Totgeburt traumatisiert.
Als Viola im Wald ohnmächtig und vom Ranger zurück gebracht wird, schäumt in Nicola die brodelnde Eifersucht über...
Pavetto benötigt eine ganze Weile um das Paar ausgiebig vorzustellen, ihr Leiden anhand einiger psychischer Defizite zu präsentieren, während er bemüht ist, vom Alltag abzulenken und als Hobbykoch das Verwöhnprogramm aufzutischen. Dabei wirkt Nicola beinahe zu sehr um Geduld bemüht, was den leicht unberechenbaren Unterton des bis dato ruhigen Treibens noch verstärkt: Der perfekte Ehemann wird sein Verhalten schlagartig ändern, es stellt sich nur die Frage, warum Viola nicht bereits viel früher gespürt hat, mit welcher tickenden Zeitbombe sie da zusammenlebt.
Spätestens nach einer Stunde geht die Post ab und die Auseinandersetzungen fallen erstaunlich unbarmherzig, zuweilen recht graphisch in ihrer Darstellung und demzufolge teils überraschend blutig aus. Die durch die Bank handgemachten und ordentlich gestalteten Gewalteinlagen implizieren abgetrennte Finger, Faustschläge, Gegenstände im Hals, massive Axthiebe und ein Schraubenzieher im Auge. Obgleich phasenweise eine dritte Person mitmischt, schenken sich die beiden nichts und es erstaunt, wie viel auf beiden Seiten eingesteckt wird, was gegen Ende dann doch nicht mehr so ganz glaubwürdig ausfällt.
Das Ambiente fällt zwar allenfalls zweckdienlich aus, die Requisiten bleiben überschaubar und auch der Score hält sich etwas zu sehr im Hintergrund, doch dafür überzeugen die variable Kamera, der saubere Schnitt und die beiden facettenreich aufspielenden Mimen in der Hauptrolle. Letztlich vermag ein finaler Twist noch zu überraschen, der viele vorangegangene Szenen in ein anderes Licht rückt, obgleich ähnliche erzählerische Wendungen schon einige Male in vergleichbarer Form angewandt wurden.
Der Psychothriller mit der recht simplen Prämisse liefert zwar nicht allzu viele Hintergründe und hält sich mit Flashbacks und Erläuterungen zur Vorgeschichte merklich bedeckt, doch sobald die Klingen gewetzt werden, dürften Freunde unbarmherziger Ehestreitigkeiten so einigermaßen auf ihre Kosten kommen.
Kein sonderlich cleveres Gesamtkonstrukt, doch auf seine schlichte und blutige Art unterhaltsam genug, um eine Sichtung zu rechtfertigen.
6 von 10