Review
von Leimbacher-Mario
Pig-Nick
Es ist und bleibt gruselig und nachvollziehbar: wenn fremde Gestalten nachts in dein Heim einbrechen, dann ist das weitaus vorstellbarer und fieser als es je Geister, ein Monsterbär oder ein maskierter, nahezu unsterblicher Killer sein könnten - denn Einbrüche, Überfälle und gierige bis gewalttätige Menschen gibt es wirklich. Jeden Tag und überall, damals wie morgen. In „White Settlers“ bekommen es mit diesem ganz realen Alptraum zwei englische Stadtmenschen zu tun, die ein altes Anwesen im schottischen Hinterland erworben haben - und das scheint den ansässigen Dörflern gar nicht zu gefallen, denn schnell bekommen sie nachts ungebetenen Besuch...
„White Settlers“ wirkt in seinen besten Momenten wie eine Mischung aus „Ils“ und „Eden Lake“, ist in seinen schlechteren Momenten aber dann wiederum so interessant wie eingeschlafene Füße. Pollyanna McIntosh ist hot, tough genug und agiert nachvollziehbar, die dargestellte Beziehung zu ihrem Ehemann ist es ebenso. Hinzu kommt eine sparsame Laufzeit, eine beachtlich realistische Herangehensweise und eine Grundspannung, die sehr lange anzieht, zuzieht und zu bleibt. Die Angreifer und Eindringlinge mit Schweinsmaske wirken beängstigend, aber nie unbesiegbar oder allwissend. Ganz im Gegenteil. Der erste Part ist im Grunde nur ein recht gemächlicher Aufbau der beiden später gejagten Figuren und deren süßer Beziehung, der zweite Part ist ein einziges langes Versteckenfangen. Auf mildem Niveau, mit der Zeit sich deutlich abnutzenden und wiederholenden Motiven. Aber ordentlich soweit. Die sich anbahnende Auflösung enttäuscht dann gehörig. Insgesamt spielt „White Settlers“ straight und bodenständig seinen Stiefel runter - nur eben in kaum einer Disziplin mit Nachwirkung und erstaunlich blutleer, konsequenzlos, anfängerhaft. Befriedigend. Gerade so.
Fazit: solider Home Invasioner mit britischem Konflikt, schicker Dame und ansatzweise deftiger Spannung. Leider jedoch irgendwie nicht konsequent genug und super simpel gestrickt. Zielorientiert, knackig, aber sehr tief gezielt.