Irgendwo zwischen "Schweigen der Lämmer" und "Es geschah am hellichten Tag" ist vorliegender Thriller nach einem Roman der Britin Mo Hayder anzusiedeln. Da es im Kern um einen Kinderschänder geht, wundert das Herkunftsland Belgien durchaus, doch Regisseur Hans Herbots mutet dem Zuschauer keine allzu derben Bilder zu und setzt stattdessen auf finstere Momentaufnahmen und einen fast schon überambitionierten Plot.
Polizist Nick (Geert Van Rampelberg) ist nie über das Trauma seines entführten Bruders hinweggekommen, für das er den Pädophilen Ivan (Johan van Assche) verantwortlich macht.
Ein aktueller Fall beschäftigt Nick mit einem ähnlich gelagerten Thema, als entführte Eltern aufgefunden werden, deren Sohn zunächst verschwunden bleibt. Seine Ermittlungen führen den angeschlagenen Ermittler immer tiefer in seelische Abgründe...
Regisseur Herbots, der im Bereich von TV-Serien einige Erfahrungen sammeln konnte, konzentriert das Geschehen ohne Umschweife aufs Wesentliche und baut sogleich eine beklemmende Atmosphäre auf, die auf einer düsteren Farbgebung mit kühlen Tönen basiert.
Die ordentlichen Charakterzeichnungen um Hauptfigur Nick schüren das Interesse an dem Fall, dem schon bald ein weiterer folgen soll.
Allerdings wähnt man sich phasenweise in einer überdurchschnittlichen Ausgabe "Tatort", da die Ermittlungsarbeiten zum Teil ein wenig unaufgeregt ablaufen, während die Kamera komplett unauffällig arbeitet, was auch für den simplen Score gilt.
Jedoch führt das Auslegen falscher Fährten und das Einbringen vermeintlicher Verdächtiger immer wieder zu Spannungsmomenten, obgleich bis auf den Showdown keine Actionszenen auszumachen sind.
Je weiter die Handlung voranschreitet, umso bedrückender wird die Situation für Nick und gleichermaßen für den Zuschauer, welcher mit einigen schier unfassbaren Begebenheiten konfrontiert wird. Extreme Szenen bleiben uns zwar glücklicherweise erspart, doch Andeutungen sind bei so einem heiklen Thema bereits widerwärtig genug.
Auch wenn der Showdown in Sachen Logik und Dramaturgie ein wenig enttäuscht und abgesehen vom intensiv performenden Van Rampelberg darstellerische Abstriche zu machen sind, bietet sich mit "Die Behandlung" ein überaus düsterer Thriller, der mit rund 130 Minuten Laufzeit zwar ein wenig zu lang geraten ist, im Endeffekt jedoch niemanden kalt lassen dürfte.
7 von 10