Review

kurz angerissen*

Der sonst so realitätsbewusste David Ayer lässt sich also auf einen ikonenhaften Actionstar der Reagan-Ära ein und riskiert damit seine "Credibility". Auf diesen Schluss muss man kommen, wenn man vor allem auf die innere Kohärenz des raubeinigen Elite-Actioners achtet, der zwar einerseits wie vom "Training Day"-Autoren gewohnt mit authentischen Details arbeitet, andererseits jedoch ein gewagt unlogisches Skript zur Grundlage hat, das mit den Slice-Of-Street-Life-Skizzen aus "Harsh Times" oder "End Of Watch" nur wenig gemein hat.

Was bei dieser Beobachtung allerdings unter den Tisch fällt, ist der ungeheure Reiz, den ein solches Konstrukt filmisch gesehen ausüben kann. Denn man könnte sagen, "Sabotage" ist der bis dato spektakulärste Comebackfilm nicht nur Schwarzeneggers, sondern vielleicht aller "Expendables" seither. Ayers Beobachtungsgabe für Ungeschöntes bringt dem Hauptdarsteller fast nur Positives ein: Schwarzenegger war zwar selten hässlicher als hier (allenfalls "Herkules in New York" toppt das noch), doch gerade aus der Heldendekonstruktion heraus entwickelt sich eine hochgradige Filmdynamik, die doch wesentlich interessanter und erkenntnisreicher ist, als wenn beispielsweise Sylvester Stallone von Walter Hill durch einen okayen Urban-Actioner mit leichten Western-Anleihen gejagt wird.

Natürlich springen dem Zuschauer Plotlöcher und -Twists um die Wette ins Gesicht, inklusive des etwas zu angekuppelt wirkenden Epilogs (dessen Beliebigkeit wird auch deutlich, wenn man sich mal das ganz anders angelegte alternative Ende ansieht). Dieser ist aber wiederum von einer solchen Ikonenhaftigkeit, dass Schwarzenegger, wäre er anschließend in den Ruhestand getreten, keinen idealeren Abgang hätte feiern können, keinen, den man besser hätte zelebrieren können.

Sympathisch sind die Mitglieder des Teams natürlich allesamt nicht, auch nicht auf die "Ich bin böse, aber dennoch sympathisch"-Tour; selbst die ehrlichen Cops haben größtenteils längst die Färbung der Straße angenommen (wie man an Olivia Williams sehr gut ablesen kann). Doch die Proleten- und Rüpelhaftigkeit vermeintlicher Sympathieträger bekommt gerade durch das Mitwirken jenes Mannes, der in so vielen Filmen mit konsequenter Schwarz-Weiß-Zeichnung mitgewirkt hat, so einen interessanten Kniff - ebenso wie der ganze realistische Look sich so wunderbar mit den comichaften Gewaltsequenzen beißt, die kaum noch weniger von den Todesopfern übrig lassen könnten.

Ist "Sabotage" also in irgendeiner Form ausgewogen oder rund? Himmel, bewahre, nein! Aber er hat das gewisse Etwas, von dem Schwarzenegger zugegebenermaßen etwas mehr profitiert als Ayer.

*weitere Informationen: siehe Profil

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