Wohin David Ayer mit seinem ursprünglichen „Breacher and Ten“, aus dem dann später „Sabotage“ wurde, wollte, wird kaum noch vorstellbar sein, nachdem der Film schon im Vorfeld mehrfach umgeschrieben wurde, dann auf Schwarzenegger angepasst und schließlich vom Undercover-Swat-Actioner zum Mystery-Thriller mit Serienkillereinschlag umgebastelt wurde, bei dem es gar drei mögliche Enden gab (immer kein gutes Zeichen!), von denen im Nachklapp keines so besonders originell klingt.
Ehrlich gesagt, hatte ich nach den ganzen Solo-Wiederbelebungsflops des Ex-Gouvernators erwartet, dass ein gut besetzter Ensemblefilm rund um einen ganze Gruppe von Undercovercops nicht so zentriert um Arnold herum gebaut wird, aber nachdem der Film dann ganz tough anfängt, macht Ayer mehr und mehr ein Showcase für den Altstar daraus. Zwar hat Schwarzenegger die nötige Ruhe und das massive Charisma entwickelt, um verkehrsberuhigt durch den Film zu steuern, doch ihm gleichgestellt ist in der Besetzungsliste lediglich Olivia Williams, die neutral in den Mordsachen ermittelt, als Arnolds Team langsam aber sicher dahin gemeuchelt wird.
Was knackig mit einem kantig-heftigen Einsatz ganz gut anfängt, wobei die Kamera immer gut mitten im Geschehen ist, gerät spätestens bei der Charakterisierung aus allen Fugen: selten so ein unkontrollierbar durchgeknalltes Team von Totalbeknackten gesehen, die weder ordnungsgemäß ihre Aggressionen im Griff haben, noch in irgendeiner Polizeibehörde des Planeten auch nur den Kaffee machen dürften. Saufen und Drogen schmeißen ist nicht optional und die ganze Horde sieht aus, wie ich mir immer die Actionfilme der 80er vorgestellt habe, wenn man las, dass da jemand zauselige Vietnam-Veteranen reaktiviert.
Leider verliert der Film an Dampf und Spannung, als das zentrale Problem – ein Einsatz, bei dem die Gruppe zehn Millionen Dollar unterschlagen hat, die dann aber vor Abholung gestohlen wurden – inclusive dem Kampf gegen die interne Ermittlung etabliert ist. Statt den internen Druck zu erhöhen, mutiert der Film zu einem ziemlich faden Bodycount an Opfern, die zu den üblichen Verdächtigungen untereinander führen.
Wer es dann am Ende war, ist eigentlich unwichtig, denn die gewählte Variante ist genauso total unwahrscheinlich, wie die Morde übertrieben. Selbst die ursprüngliche Idee, Arnold selbst zum Serientäter zu machen, wirkt ziemlich seltsam und dämlich und generell kann ich für keine Version Sympathien entwickeln.
Während Williams übrigens ganz gut abräumt, bleibt der Rest blass. Sam Worthington zeigt hier, wie man als „next big thing“ ganz schnell wieder in exzentrische Nebenrollen abrutschen kann, Terrence Howard wird total verschwendet und der Rest besteht aus ganz ordentlichen TV-Darstellern, deren Gesicht man sich kaum merken kann. Besonders nervtötend ist dabei die meth- und cracksüchtige Mireille Enos, die neue Maßstäbe im albernen Overacting setzt.
Ich bin gewillt, für die recht guten, wenn auch ziemlich menschenverachtenden Actionsequenzen ein paar Unterhaltungspunkte springen zu lassen und einige Ideen kommen sehr reizvoll rüber, wie etwa die scheinbar gleichzeitige Montage von Ereignissen an einem Ort zu unterschiedlichen Zeiten, aber ein Flickenteppich bleibt der Film dennoch – und längst nicht so stringent inszeniert, wie Ayers Vorgängerfilm „End of Watch“, der seine Digital-Footage-Struktur bis zum Schluss durchhielt.
„Sabotage“ floppte an der Kasse, atmet aber auch den vergangenen Geist der 90er Jahre, ist damit aber nicht schlecht, nur uneben und unausgegoren – oder eben zu Tode bearbeitet. (5/10)