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Der DEA-Agent John "Breacher" Wharton und sein Team lassen das Geld-Depot eines Drogen-Kartells hochgehen und zweigen während des Einsatzes, bevor die Bude in Flammen aufgeht, zehn Millionen Dollar in die eigene Tasche ab... doch als man die in einem Versteck in der Kanalisation deponierte Beute anschließend unter sich aufteilen will, ist die Kohle spurlos verschwunden. In der Folgezeit stehen Wharton und seine Leute unter der Beobachtung der internen Abteilung, doch nach einigen Monaten ohne Ergebnisse wird die Untersuchung eingestellt und die Einheit wieder reaktiviert. Als kurz darauf eine Mordserie unter den Team-Mitgliedern einsetzt, ruft das Detective Carolyne Brentwood auf den Plan. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die Mexikaner ihre Todes-Schwadronen losgeschickt haben, um sich für den begangenen Raub zu rächen. Im Laufe ihrer Ermittlungen kommt die Polizistin jedoch dahinter, dass "Breacher" selbst ganz schön traumatisiert ist, seit seine Frau und sein Sohn vor zwei Jahren von mexikanischen Kartell-Killern zu Tode gefoltert wurden und man ihm über Wochen hinweg Körperteile seiner Lieben mit der Post geschickt hatte... Man kann Arnold Schwarzenegger nun wirklich nicht vorwerfen, dass er bei seinem Schauspiel-Comeback nach seiner Gouverneurs-Zeit lediglich auf Nummer sicher gegangen wäre, wofür nicht nur seine Gegen-den-Strich-Auftritte in ungewöhnlichen Streifen wie dem Zombie-Drama "Maggie" oder einem "Vendetta - Alles, was ihm blieb, war Rache" sprechen: Nachdem er mit seinem noch sehr typischen Helden-Part in "The Last Stand" vorgeglüht hat, gibt er in "Sabotage" eine ungewohnt ambivalenten Figur zum Besten, der man schnell anmerkt, dass es unter ihrer Oberfläche mächtig brodelt (bereits in der allerersten Szene wird "Breacher" dabei eingeführt, wie er sich das Folter-Video seiner Frau reinzieht, was den Ton direkt mal setzt) und trägt somit einen durch und durch kaputten Streifen auf darstellerisch mehr als akzeptable Weise. Dabei ist es gar nicht mal so leicht, innerhalb des abgefuckten Personals einen Stand-Out-Charakter auszumachen, denn der Cast überbietet sich eigentlich schon bei dem Versuch, sich gegenseitig jede Szene zu klauen... und selbst ein beinahe gänzlich unkenntlich gemachter Sam Worthington hat hier noch eine bessere Rolle als in "Avatar", aber das nur nebenbei. Aber nicht nur für die Verhältnisse seines Hauptdarstellers kommt "Sabotage" ungewöhnlich daher, denn als kuriose Mischung aus krachiger Task-Force-Action und Whodunit?-Thriller, die wenig zimperlich ist, was die Gewalt-Darstellung während der splatterigen Shoot-Outs und den Leichen-Funden anbelangt, stößt die Chose all diejenigen bewusst vor den Kopf, die ihre Unterhaltungs-Ware innerhalb eines erzählerisch klar abgesteckten Genre-Rahmens bevorzugen. David Ayer macht es dem Zuschauer dabei zugegeben auch nicht leicht, denn ein echter Sympathie-Träger ist hier weit und breit nicht auszumachen und selbst der ehemals als besonders düster empfundene "End of Days - Nacht ohne Morgen" wirkt hiergegen noch vergleichsweise happy. Das vermittelte Weltbild ist ähnlich niederschmetternd wie einst bei David Finchers "Sieben", doch die brutalen Details, in denen man sich regelrecht suhlt, liegen einem hier irgendwie sogar noch schwerer im Magen. Nach meiner damaligen Kino-Erstsichtung war ich sogar der Meinung, dass der hier bei seiner DVD-Veröffentlichung sicherlich Probleme mit der FSK kriegen würde, was dann aber doch nicht der Fall war, denn das Ganze ist doch ohne Aufzumucken ab 18 durchgewunken worden... ein weiterer Beleg dafür, dass die Altersfreigaben wohl seit jeher ausgewürfelt werden. Leider merkt man der Angelegenheit an, dass nachträglich an ihr rumgedoktert wurde, denn das wirre Skript von "Stirb Langsam - Ein guter Tag zum Sterben"-Autor Skip Woods kriegt zum Ende hin die Handlungs-Fäden nicht wirklich auf die Reihe und der inneren Logik der Geschichte nach müsste da eigentlich eine bestimmte Figur, auf die alles hindeutet, der Täter sein, sie isses aber nicht (ein Blick auf die alternativen Enden schafft in der Beziehung Klarheit!). Versöhnlich stimmt einen dann aber doch wieder die letzte Einstellung, bei der Ayer seinen Star als die Ikone inszeniert, die er nun mal ist... stilecht mit Whisky und Zigarre. Innerhalb des Gesamt-Werks seines Machers voller misslungener Regie-Arbeiten ragt "Sabotage" aber trotz aller Macken fast schon wie ein Monument empor, denn eigentlich ist er doch der einzige Film, dem Ayers kontinuierlich schlechter Geschmack nicht zum Nachteil gereicht. Wer in den 80ern bei "Phantom-Kommando" hängengeblieben ist und Schwarzenegger lediglich als Oneliner-klopfende Kampfmaschine akzeptiert, wird hier nicht zufriedengestellt und da wundet einen auch der kolossale Boxoffice-Flop nicht wirklich. Wer dem "Last Action Hero" jedoch eine gewisse Weiterentwicklung zugesteht, der erlebt hier eventuell eine positive Überraschung. Selbst wenn in Arnies filmischer Spätphase sonst nichts mehr nachgekommen wäre, alleine für den hier hat sich der Comeback-Versuch doch bereits gelohnt... und das nicht nur, weil "Sabotage" die besten Hartarsch- und Macho-Dialoge seit "Predator" parat hält (statt "Guten Tag" sag' ich jetzt auch nur noch "Ich fick' dich ohne Gummi!").

9/10

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