Review

"Wolves - Die Letzten ihrer Art" (Frankreich-Kanada 2014) ist ein mittelgroßer (Budget 18 Millionen) und sehr moderner Film. Diesmal ist das Wort modern als positiv zu werten, weil er eine derartige Frische und Lebendigkeit ausströmt, daß keine Sekunde Leerlauf aufkommt. Dadurch wird der attraktive Streifen aber keineswegs hektisch, denn er ist mit genau jener Zielstrebigkeit und Übersicht inszeniert, die Filme in den 90er Jahren so genußvoll machten. Auch optisch könnte er ein Produkt der 90er Jahre sein mit glasklarer Bildqualität, enorm guter Kameraführung, realen Farben und stets perfekter Beleuchtung, auch in den Nachtszenen. Der Schnitt passt dazu und läßt auch in schnellen Actioneszenen nie die Übersichtverlieren, wozu die gut gewählten Blickwinkel der Kamera ebenfalls beitragen. Also bezieht sie das Moderne nur auf den flotten Ablauf der Handlung, aber es wird keine schlechte Optik hergestellt (wie sie von 2005 bis heute zu oft bei modernen Filmen leider der Fall ist).
Am Anfang glaubt man noch an eine Richtung wie "Teen Wolf" mit Schulszenen, Sport und Elternhaus. Das ist atmosphärisch auch sehr schön, wird aber bald in Richtung kerniger Horrorfilm aufgegeben, denn immer wieder gibt es Szenen, die eine solche Portion Härte zeigen, daß er in den USA nur ein R-Rating bekommen hat, also nur für Erwachsene. In unserer durch abartigen Horror der brutalsten Art pervertierten Filmgesellschaft muss man die Erwartungen der Blutfans etwas dämpfen, denn es ist keine in Blut und Organen badende Brutalität, sondern eher gesunde Härte. Da spritzt öfters Blut, wenn die Krallen eines Werwolfs zuschlagen, da wird gebissen, gekratzt, geschossen, explodiert, auch fliegt mal ein ausgeschlagener Zahn in Zeitlupe auf den Betrachter zu...alles aber im verträglichen Rahmen und nicht sinnlos auf Ekel getrimmt.
Die Zeitlupen werden sehr geschickt eingesetzt. Meistens gar nicht, schnelle Fights in Realgeschwindigkeit, manchmal geringe Zeitlupe und ganz selten Ultra-Zeitlupe.
Die Kämpfe sind eine Mischung aus menschlichen Bewegungen, Monsterverhalten und etwas Superhelden-Action, aber die blutigen Kämpfe mit vielen Toten bei "Wolves " haben fast nichts mit den seichten, jugendfreundlichen Superheldenfilmen zu tun.
Die Handlung von einem jungen, sportlichen Mann, der plötzlich merkt, daß er ein Werwolf ist und deswegen nach Artverwandten sucht, nachdem er scheinbar in Umnachtung seine Eltern umgebracht hat, entwickelt eine Menge Spannung als er in einem Dorf auf viele Werwölfe trifft, die es wie mehrere Rudel von Rockern beherrschen. Schnell gerät er in den Fokus der gefährlichsten Gruppe, wodurch zahlreiche wilde Kämpfe zwischen den nicht minder zahlreichen Wolfsmenschen vorprogrammiert sind.
Es gibt in diesem Film zwei Arten Werwölfe. Die einen sind es von Geburt an, weil ihre Mutter mit einem Wolfsmann gevögelt hat. Die anderen werden durch den Biss dieser Werwölfe selbst dazu, aber sind nicht so stark und heilungsfähig wie die echten Werwölfe.
Die Besetzung ist fabelhaft. Hauptdarsteller Lucas Till spielt einwandfrei. Jason Momoa als gefährlicher Rudelführer ist wieder eine Wucht, wie in fast allen seinen Rollen. Er sieht nicht nur super aus, sondern spielt auch mit einen gewissen dunklen Charisma. Stephen McHattie ist einer der markanntesten und ausstrahlungskräftigesten Nebenrollendarsteller seiner Generation. Tolle Rolle mal wieder für ihn. Die unbekannten Damen sind auch okay in ihren Rollen, es spielt überhaupt jeder gut bis sehr gut in diesem Film, der zudem auch noch eine Menge pfiffiger Einzeiler hat, wobei es nicht komödienhaft wird, sondern es einfach Cleverness ist, die da ausgedrückt wird und eine gewisse Souveränität.
Die Wolfsmasken sind übrigens top, denn jeder Werwolf sieht völlig anders aus, man kann den jeweiligen Menschen noch erkennen, aber auch die grimmige Bestie. Sie können sogar noch Ausdruck zeigen. Wirklich Werwolf-Optik vom Feinsten.
Alles in allem ein sehr guter Film, den man immer wieder sehen kann. Wäre er ein Jahr vor "American Werewolf" gestartet, dann hätten die Leute kaum so ein Theater um den American gemacht, weil "Wolves" viel spannender, einfallsreicher, flüssiger, blutiger und schöner ist...nur die legendäre Verwandlung hat er nicht, aber die scheint für einige einseitige Fans ja das Einzige zu sein, an dem sie sich hochziehen.

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