Auch wenn der Vergleich zu "The Descent" ein wenig hinkt, gleicht sich das Kräfteverhältnis in beiden Fällen wieder aus: Die Mädels im Erstgenannten waren körperlich fit und gut ausgerüstet, mussten sich jedoch gegen Monster behaupten. Im vorliegenden Fall gibt es zwar keine übersinnliche Bedrohung, doch die Protagonisten besitzen fast keine Ausrüstung und noch weniger Grips.
Fünf Freunde um Celia (Marta Cestellote) machen Natur-Urlaub auf Formentera und erkunden am Morgen nach einer durchzechten Nacht eine Höhle. Zu spät erkennen sie, dass man sich bereits viel zu weit ins Innere vorgewagt hat und den Weg zurück nicht mehr findet.
Nach einigen Tagen ohne Nahrung und Flüssigkeit muss eine folgenschwere Entscheidung gefällt werden...
Die Figuren machen es nicht gerade leicht Sympathien einzuheimsen, denn bevor es in die Höhle geht, sind vulgäre Zoten und Drogenkonsum an der Tagesordnung, da vermag allenfalls der neutrale Kameramann Carlos ein wenig im Vorteil zu sein, da er den Urlaub von Beginn an mit der Handkamera festhält, womit der Streifen mal wieder dem Found Footage zuzuordnen ist.
Ohne die Naivität des Kollektivs wäre die Handlung natürlich nicht zustande gekommen, doch zumindest hätten sich selbst Idioten ein paar Markierungen an Abzweigungen gelegt, von denen es im Labyrinth etliche gibt. So müssen sich die fünf auf eine Flasche Wasser, Nachtsicht der Kamera und zwei Taschenlampen verlassen, während der Impulsive stets mit der Sensiblen streitet und ein kurzer Tauchgang weniger Erkenntnisse bringt als das Vortasten mit dem Feuerzeug an zugempfindlichen Stellen.
Nach geraumer Zeit dürften Klaustrophobiker abwinken, denn die Enge der zum Teil sehr schmalen und engen Gänge innerhalb von Stagnaten und kleinen Felsspalten ist auf Dauer recht erdrückend und auch das komplett ausbleibende Tageslicht macht nicht nur den Verirrten zu schaffen. Zwischendurch machen zwei Leute Bekanntschaft mit einer Ratte, doch auch dieses Intermezzo bringt die Truppe nicht weiter, während das schwächste Glied merklich durchhängt und andere auf die dumme Idee kommen, Salzwasser zu trinken.
Nach einiger Zeit wird der Trip jedoch auch ein wenig anstrengend, da die Kraftreserven schwinden und damit auch die Kamera nicht mehr allzu ruhig geführt wird. Beim Robben entsteht ein entsprechendes Wackeln dicht über dem Boden und auch während einer kurzen Flucht wird reichlich hin und her gefuchtelt, wobei die eingeschränkte Sicht per Nachtsicht durchaus Spannung versprüht.
Die Auflösung birgt indes einen gewissen Zynismus und betont erneut die Dummheit einiger Individuen, denn man hätte noch nicht einmal einen Kompass oder Karabiner benötigt, um sich aus der Misere zu befreien.
Nicht jedem dürfte die finale Pointe schmecken, sie fügt sich jedoch dem leicht garstigem Unterton des Gesamtgeschehens.
Dieses kombiniert einen klaustrophobisch anmutenden Exkurs mit Handkamera mit den Stärken und Schwächen einiger Individuen, die inmitten eines Höhlensystems auf sich allein gestellt sind. Mit noch nicht einmal 80 Minuten recht kurzweilig und phasenweise durchaus spannend aufgezogen, hätte es lediglich einiger Steigerungen innerhalb der zwischenmenschlichen Konflikte bedurft, um noch mehr aus der schlichten Prämisse herauszuholen.
6,5 von 10