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Fünf junge Spanier Anfang Zwanzig treffen sich zum gemeinsamen Campen auf einer Insel. Nach einigem Dampfablassen inklusive spätpubertärer Scherze, die einer der drei Burschen wie alles andere auch stets mit seinem Camcorder filmt, entdecken sie an der malerischen Küste von Formentera den Eingang zu einer dunklen Tropfsteinhöhle. Die Neugier obsiegt und flugs kriechen alle fünf ins enge Labyrinth unter der Erde, wo sie weiter pseudolustige Sprüche rauslassen - erst nach einiger Zeit wird ihnen bewußt, daß sie vergessen haben wo der Ausgang der Höhle ist. Stets von der wackeligen Kamera mit Nachtsichtfunktion begleitet, beginnt eine immer verzweifeltere Suche nach dem richtigen Weg...

Der spanische Survival-thriller Die Höhle - In Darkness We Fall bietet klaustrophobischen Horror wie man ihn von The Descent bereits kennt, allerdings auf low-Budget-Niveau und gänzlich ohne unpigmentierte Monster und sonstige Schrecklichkeiten sondern vielmehr durch die Schilderung des langsamen Durchdrehens unerfahrener junger Menschen angesichts von Dunkelheit, Hunger und Durst. Hier liegt dann auch das Hauptproblem des Films, denn keine/r der fünf ist sonderlich sympathisch, und der bei weitem unangenehmste von allen, ein kahlköpfiger Schwätzer, dessen Humor sich darin erschöpft seinen Schließmuskel in die Kamera zu halten, hat auch noch am meisten Screentime. So mag sich kein wirkliches Mitfiebern einstellen, da einem das Schicksal der Protagonisten einfach egal ist. Dazu gesellen sich dann noch einige Logiklöcher wie beispielsweise die Zeitsprünge von mehreren Tagen, an denen nichts gegessen wurde (was passierte da?) oder die erstaunlich lange Betriebsdauer des Camcorders oder der Handies. Da man sich angesichts der Story auch über die Glaubwürdigkeit Gedanken macht: Kein halbwegs vernünftiger Mensch zwängt sich mehr als einige Meter durch eine enge feuchte Höhle ohne sich über den Rückweg zu vergewissern. Mit ein wenig koordiniertem Verhalten hätten die fünf locker den Ausgang entdeckt, aber vielleicht war ihre - zuvor reichlich demonstrierte - Unreife auch Kalkül. Der Zeitfaktor - bis man zum ersten Mal feststellt, im Kreis gelaufen zu sein, was in Echtzeit mitgefilmt wurde - spielt ebenfalls eine besondere Rolle (ganz besonders am Schluß) wird aber sträflich vernachlässigt, genauso wie der Umstand, daß entkräftete Menschen zu keinen körperlichen Höchstleistungen (wie einer finalen Flucht) mehr fähig sind. Eher verzichtbar fand ich auch das Thema Kannibalismus, welches aufgrund des erwünschten Gruselfaktors wohl einbezogen werden mußte, allerdings nur sehr budgetschonend dargestellt wird. Unerklärt bleibt auch der Wechsel des/der Filmenden am Ende - die zunehmend grün-gelbe Kameraperspektive, ständig von schwarzen Frames unterbrochen, drückt hier aufs Tempo und verlangt dem Zuseher viel Aufmerksamkeit ab. Immerhin interessant waren zwischendurch die akustischen Effekte während eines Tauchgangs, wie auch die Location an sich (eine echte Tropfsteinhöhle), die für die Rahmenhandlung des Eingesperrtseins einen glaubwürdigen Hintergrund darstellt.

Regisseur Alfredo Monteros Höhlendrama, das sich aufgrund der pseudo-dokumentarischen Wackelaufnahmen zum zuletzt vielstrapazierten found footage-Genre rechnen darf, vermag also nur bedingt zu unterhalten, zumal das vorhersehbare Ende wieder einige Fragen offen läßt. Mit etwas sympathischeren und logischer agierenden Darstellern wäre mehr drin gewesen. 5 Punkte.

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