Review

Obwohl politischer Frieden herrschte, konnten die Briten es bis in die Siebziger hinein nicht unterlassen uns in zig Kriegsfilmen unter die Nase zu reiben, wer denn nun während des 2. Weltkriegs das Nachsehen hatte. Während die Amis aus den abenteuerlichen Vorlage einige spannende, spektakuläre Genrehighlights zauberten, war bei unseren Nachbarn von der Insel meist nur dröge Kost, zu der auch „Operation Crossbow“ gehört, angesagt. Es wundert mich hier eigentlich nur, dass Michael Caine nirgends zu sehen war.

Wir befinden uns im Jahr 1943, an allen Fronten wird sich gen Deutschland zurückgezogen (beziehungsweise vorgerückt), aber an den Endsieg wird immer noch gern geglaubt. Die neusten Hoffnungsschimmer sind die letztlich den Ausgang des Kriegs nicht mehr beeinflussenden Geheimwaffen. Neben den ersten Düsenjägern waren die Raketenrevolutionen V1 und besonders V2 solche Hoffungsträger.

Die ersten Teste bei Peenemünde verlaufen vielversprechend, doch letztlich wenig erfolgreich, was einige Klischeenazis erster Kajüte auf den Plan ruft. Man muss sich das mal vorstellen: Da kämpft man mit dem technischen Problem, dass die fliegenden Bomben stets nach einer Seite abdriften. Also ruft man zum heldenmutigen Suizid für das Vaterland auf und stellt dem Wissenschaftler eine Liste todesmutiger Flieger zur Verfügung. Darauf wird das experimentelle Flugobjekt (klar.. mal eben...) umkonzipiert und mit Lenkung wie Kanzel versehen, damit die Freiwilligen sich in die Luft schießen lassen können, um kurz vor ihrem tödlichen Aufprall von den Problemen zu berichten – stets begleitet von den entsetzt, ungläubigen Gesichtern der Bonzen in ihrem Beobachtungsbunker. Erst Exemplar Nummer Fünf, ausgerechnet eine Frau, kommt auf die Idee das Steuer selbst man in die Griffel zu nehmen und senst dafür in einer Panoramaoptik über die Gräber der Verunglückten. Selten so eine bescheuerte Einleitung gesehen...

Natürlich ist der britische Geheimdienst nicht untätig, bekommt Wind von den Tests und schickt, trotz des vehementen, dickschädeligen Einspruchs (Warum eigentlich?) eines Kollegen nach ersten Luftaufnahmen mal eben die gesamte Bomberschwadron an die Nordsee, um den ganzen Komplex dem Erdboden gleichzumachen. Die gewitzten Krauts machen den Laden aber umgehend wieder auf – diesmal unterirdisch. Weil es aber an Fachkräften mangelt, werden über entsprechende Kenntnisse verfügende, britische Soldaten engagiert und als Agenten zwecks Infiltrierung gen Deutschland geschickt. Dumm nur, dass die angenommenen Identitäten so ihre Leichen im Keller haben.

Wer hier jetzt einen knackigen Agententhriller in Nazideutschland erwartet, ist bei „Operation Crossbow“ auf dem falschen Dampfer, denn hier stimmt gar nichts. Die überlange Einleitung in Peenemünde auf deutscher Seite, zeigt nur wie verblendet und blöde das deutsche Militär damals, laut britischen Filmemachern, immer gewesen sein muss und die ständige Kontrolle der Luftaufnahme bestätigt auch nur das, was wir längst wissen. Auch bei den Lagegesprächen kommt nichts Nennenswertes rum.

Optisch bleibt „Operation Crossbow“ sehr bieder und unspektakulär, muss sich immer wieder mit Archivmaterial behelfen und verfügt über auch damals schon antiquierte Tricktechnik. Die zig ähnlichen Flüge der V1 und V2 werden jedenfalls auch beim fünften oder sechsten Mal nicht besser – die späteren Einschläge in London übrigens auch nicht.

Regisseur Michael Anderson hat mit Filmen wie „Around the World in Eighty Days“ oder später auch „Logan's Run“ seine inszenatorischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt, vermochte mit diesem eigentlich viel interessantes Potential beherbergenden Kriegsmaterial aber herzlich wenig anzufangen. Ich wage zu behaupten, dass John Sturges („The Great Escape“, „Ice Station Zebra“) oder Brian G. Hutton („Where Eagles Dare“, „Kelly's Heroes“) mit einem etwas größerem Budget und besserem Drehbuch hier einen erstklassigen Kriegsreißer aus dem Hut gezaubert hätten.

Sophia Lorens („El Cid“, „The Fall of the Roman Empire“) Rolle verdeutlicht stellvertretend die Hilflosig- und Einfallslosigkeit des Drehbuchs beispielhaft. Einzig und allein mit der Aufgabe betraut Spion George Peppard (Genau, der spätere Anführer des „A-Team“) kurzfristig in die Bredouille zu bringen, urplötzlich aber umzuschwenken und dann unspektakulär aus der Handlung entfernt zu werden, ist sie für den Filmverlauf nahezu überflüssig. Gleiches gilt auch für den nachgereisten Kollegen, der abgesehen vom finalen, entscheidenden Kommentar, ebenfalls keine Funktion hat. Den schickte man nämlich ursprünglich, damit er seinen Kollegen vor möglichen Problemen mit dessen Identität warnt. Weil nämlich alles total top secret ist, kann man niemandem diese Information anvertrauen (Na klar..)

Selbstverständlich enttäuschend verläuft dann auch das Kapitel im Forschungskomplex, wo dem Spion brühwarm auf dem Silbertablett alle wichtigen Unterlagen vorgelegt werden (Ich darf mal herzlich lachen...) und in einem furchtbar schwachen Effektspektakel final alles explodiert und in Flammen aufgeht.

Aus „Operation Crossbow“ hätte sicherlich ein guter Thriller vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs werden können. Doch dafür hätte hier ein stringentes und vor allem spannendes Drehbuch hergemusst. Da wäre dann die lahme Tricktechnik in Bezug auf fliegende Raketen und explodierende Häuser auch nicht mehr so schwer ins Gewicht gefallen. Andersons unspektakuläre, tempolose und auch leider wenig ambitionierte Regie fällt hierbei genauso negativ wie Ron Goodwin, der sich unter anderem immerhin für den grenzgenialen, schweißtreibenden Score von „Where Eagles Dare“ verantwortlichzeigt, sich hier aber nur sehr einfältig immer und immer wieder wiederholt, auf.


Fazit:
Nur ein weitere enttäuschender Kriegsthriller made in England, der zwar über soweit fähige, wenn auch nicht glänzend agierende Darsteller verfügt, sein Potential aber gnadenlos verschenkt. Mit einer spritzigeren Regie, einem guten Drehbuch und besserer Tricktechnik hätte „Operation Crossbow“ mit Sicherheit besser ausgesehen. So bleibt nur der untere Durchschnitt und die Erkenntnis, dass die wirklich guten Beiträge zu dieser Zeit meist in Übersee gedreht wurden.

Details
Ähnliche Filme