Review

Staffel 5 - 7,5/10

Staffel 5


Zu viel des Guten?

In der fünften Staffel von „Rick & Morty“ gibt’s einen „Aquaman“-Verschnitt und Wannabe-„Cenobiten“, Morty hat seine erste richtige Freundin und die gesamte Staffel wirkt deutlicher notgeiler als alles zuvor. Es gibt „Decoy-Familien“, Apokalypsenparties auf fremden Planeten und ein verrücktes Huhn als amerikanischen Präsidenten. Es gibt Superroboter bei denen die Power Rangers vor Neid erblassen, alte und neue Federfreunde und sogar einige flotte Schnipsel aus Ricks Vergangenheit. Klingt wie eine bunte und bizarre Mischung, wie wir sie von unserem spassigen Animationsduo gewohnt sind. Aber warum will der Funke in diesen 10 Folgen doch nur recht sporadisch auf mich überspringen? Warum saß ich dieses Mal nicht mit einem durchgängigen Grinsen vor dem Fernseher? Und muss ich mir schon Gedanken um meine vielleicht liebste Animationsserie aller Zeiten machen? 

Ich glaube das wäre verfrüht. Denn auch in diesem fünften Jahr gibt’s noch eine Menge geniales Zeug. Wenn wir im Schnelldurchlauf eine quasi „Rick-Origin Story“ bekommen, mehr über sein Gefühlsleben oder auch seine Freundschaften und Liebschaften erfahren, endlich mal wieder einen Abstecher in die „Zitadelle“ machen oder in einer Art Dominoeffekt etliche „Smith-Familien“ bzw. Klone spektakulär und rasend schnell das Zeitliche segnen müssen, dann springt das Fanherz schon höher und man muss wie in besten Zeiten aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Außerdem sind einige neue Gaststimmen namhaft und grandios, die Zeichenart und vor allem die erstaunliche Strahlkraft der Farben stechen positiv hervor, das Ende verspricht viel bzw. lässt einiges offen. Nur stehen solchen immer noch starken Lichtstrahlen doch zum ersten Mal wirklich auffällig auch ein paar Schatten gegenüber. Zum einen wäre da die wie oben schon angedeutet deutlich offenkundigere „Geilheit“ und Sexualität an allen Ecken. Fast als ob die Macher etwas Samenstau hatten. Das kann mal passieren, sollte aber nie wie hier zum Grundpfeiler und Dauergag avancieren. Desweiteren werden dann mittlerweile doch einige Themen, Tempi und Akkorde wiederholt bzw. nur minimal variiert. Dann erkennt man zwar schnell die „Rick & Morty“-DNA, doch man erwartet nach über 50 Episoden etwas mehr. Vor allem mehr Kreativität, mehr noch nie Gesehenes, mehr „WTF?!“-Momente, mehr positives Kopfschütteln. Das hier wirkt streng gesagt zu oft wie eine Mischung aus safe, horny und lame. Drei Adjektive, die ich vorher nie im Leben mit Justin Roilands Baby in Verbindung gebracht hätte. Aber hey - immerhin haben wir jetzt ein „Inzucht-Space-Baby“… 

Fazit: ist das Meckern auf hohem Niveau, schon Verwöhntheit oder der Anfang vom Ende? So oder so: man merkt schnell bzw. muss sich selbst als Fan eingestehen, dass Staffel 5 von „Rick & Morty“ mittlerweile etwas zu selten die einstigen (absurden!) Höhen der Serie, des Humors und des Erfindungsreichtums erreicht. Immer noch mit klasse Episoden und Highlights. Aber halt beileibe nicht mehr nahtlos grandios. (7,5/10)

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