Review
von Leimbacher-Mario
Fun Helsing
Den hatte ich mir vor fast 20 Jahren mal aus der Videothek auf VHS für ein Wochenende mitgenommen - nur um ihn dann als einen der billigsten, trashigsten Dracula-Verschnitte aller Zeiten abzuspeichern, als ungeschickten Mitschwimmer auf der Welle der „Blade“- und „Matrix“-Epigonen. Heute habe ich ihn mir dann nochmal zu Gemüte geführt - mit zum Glück doch ein gutes Stück positiverem Eindruck. Sicher kein Meilenstein in Sachen Blutsauger, aber auch nicht der Reinfall, für den ihn ich und viele andere damals hielten... Erzählt wird vom König der Vampire, Graf Dracula, der im New Orleans der 2000er wiederbelebt wird, bei einem misslungenen Überfall geweckt aus der Van Helsing-Gruft, und mit einer Menschheit und einem Christentum konfrontiert sieht, das seiner Meinung nach weniger denn je zu retten würdig ist...
„Dracula 2000“ hat einen kitschigen Namen, Wes Craven als Produzent hätten sie auch nicht soo dick auf das Poster klatschen müssen und der Film hat durchaus ein paar dumme Sprüche, seltsame Schnitte und bizarre Kampfsequenzen auf Lager, die ihm sicher einen Teil seines mauen Rufs zurecht eingebracht haben. Dennoch werden seine Entertainment-Qualitäten dabei oft etwas zu stark unter den Tisch gekehrt. Plummer als Van Helsing-Erbe beispielsweise ist badass, ein blutjunger Gerard Butler als Vampirfürst macht seine Sache top, seine drei Gespielinnen sind sehenswert, der rockige Soundtrack geht gut nach vorne, das Tempo ist halsbrecherisch und die Verbindung zum Christentum ist mal eine zumindest interessante Idee, über die sich diskutieren lässt. Außerdem bin ich der Meinung, dass der Film durchaus oft genug auch weiß, was er da verzapft und die Augenzwinkern nicht total übersehen werden sollten. Und eine Szene wie die, in der Dracula ein überdrehtes, blasphemisches Musikvideo sieht und schmunzelnd realisiert, was aus der Menschheit geworden ist, bleibt definitiv hängen und sagt fast schon alles über diesen Dracu, was man wissen muss.
Fazit: Willkommen im neuen Jahrtausend, Mr. D! Ultracoole, stylische, hyperaktive Hipstervariante des Grafen der Dunkelheit. Sexy, oberflächlich, volle Kanne Früh-2000er. Besser als sein Ruf. Zumindest unterhaltsamer. Wenn auch sicher nicht immer total beabsichtigt...
Für Blade zu late, für Matrix was zu sagt nix, für MTV schnell weg wie nie, für Trash im Pech, für Kenner nicht der Renner, für Puristen ohne Listen, für mich unter'm Strich weder Fleisch noch Fisch - aber nicht schmerzhaft!