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Susan Sarandon spielt eine Polizistin, die zusammen mit ihrer Mutter, gespielt von Ellen Burstyn, in der tiefsten kanadischen Provinz lebt. Sie hat einen Selbstmordversuch hinter sich, trinkt schon morgens Alkohol und nimmt große Mengen Schmerzmittel ein. Als sich der erste Mord seit längerem ereignet, nimmt sie gemeinsam mit ihrem einzigen Kollegen vor Ort die Ermittlungen auf, bekommt dann aber Unterstützung in Person eines jungen Polizisten, der seine Versetzung beantragt hat. Als eine weitere Leiche gefunden wird, glauben die Polizisten an einen Serienmord, erhalten aber keine weiteren Ermittler. Daher nehmen sie die Jagd auf den Killer im Alleingang auf.

Trotz der namenhaften Besetzung ist „The Calling“ in der öffentlichen Wahrnehmung, besonders in Deutschland, praktisch untergegangen. Wer den Film gesehen hat, wird das gut nachvollziehen können. Bei „The Calling“ handelt es sich nämlich um einen stereotypen, unauffälligen und unscheinbaren Thriller, der über das Kinojahr hinaus nicht allzu lang im kollektiven Gedächtnis verweilen wird.

Als Protagonistin wird anfangs die alkohol- und schmerzmittelabhängige Ermittlerin präsentiert, die wieder bei ihrer Mutter lebt. Sie schläft neben ihrem Bett und hat einen Selbstmordversuch hinter sich, nachdem sie als Schwangere ihr Kind verloren hatte. Dennoch erregt ihr Schicksal kaum Mitgefühl, einerseits, weil der Film durchweg sehr distanziert bleibt, andererseits aber auch, weil das Klischee der ausgebrannten Ermittlerin allzu offensichtlich bedient wird. Selbiges gilt auch für die übrigen Figuren, die kaum an Profil gewinnen, wobei auch der Plot sehr wenige Überraschungen bereithält. Dass die Lippen der Ermordeten post mortem gerichtet wurden und schließlich einen Wortlaut ergeben, ist zwar eine ganz gute Idee, aber ansonsten ist die dann folgende Serienkillerhatz größtenteils inspirationslos und stereotyp, weswegen es hierzu letztendlich auch nicht allzu viel zu sagen gibt. Man versucht das Ganze zwar mit dem Bezug zu einem christlichen Auferstehungsmythos etwas mysteriöser zu gestalten und so Spannung zu erzeugen, doch auch das funktioniert nur punktuell und gipfelt außerdem in der schwachen Auflösung des Kriminalfalls.

Regie führt mit Jason Stone ein Neuling, der nicht für das Drehbuch verantwortlich und somit für die groben Schwächen des Films nicht zu kritisieren ist. Seine Inszenierung ist solide, wenngleich ebenfalls nicht allzu einfallsreich. Er setzt, dem Thema entsprechend, auf düstere Bilder und versucht besonders mit der beklemmenden Inszenierung der Tatorte eine gespannte Atmosphäre aufzubauen. Das gelingt zumindest punktuell, sodass der Film nicht durchgehend langweilt, aber zu selten, um insgesamt einen soliden Unterhaltungswert zu erzielen, zumal das Erzähltempo etwas schleppend ist. Immerhin erspart Stone seinen Zuschauern einen allzu häufigen Gebrauch absehbarer Schockeffekte. Angesichts des einfallslosen Skripts und der unauffälligen Inszenierung wundert es letztendlich nicht, dass in der Hauptrolle eine sichtlich gelangweilte Susan Sarandon zu sehen ist, deren insgesamt routinierte Darstellung in „The Calling“ in keinem Vergleich zu alten Glanzleistungen steht. Daneben ist ein ebenfalls grundsolider restlicher Cast zu sehen, dem unter anderem Ellen Burstyn und Donald Sutherland in kleineren Nebenrollen angehören.

Fazit:
„The Calling“ ist eine inspirationslose, stereotype Serienkillerhatz, die nur punktuell eine düstere Atmosphäre erzeugt und daher allenfalls phasenweise solide Unterhaltung bietet. Da die mythologischen und religiösen Bezüge, die wohl für einen mysteriösen Touch sorgen sollten, schließlich in der unglücklichen Auflösung gipfeln und somit ins Leere laufen, wird allenfalls gepflegte Langeweile geboten.

39 %

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