Review

Fantasy Filmfest 2014

Australien, 10 Jahre nach dem Zusammenbruch. Nachdem eine Bande von Gangstern sein Auto gestohlen hat, beginnt der namenloser Farmer (Guy Pearce) seine erbitterte Verfolgungsjagd. Unterwegs liest er den geistig zurückgebliebenen Rey (Robert Pattinson) auf, den schwer verletzten Bruder des Anführers…

Festivalleiterin Frederike Dellert ist voll des Lobes für die beiden Hauptdarsteller, nennt den Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests dann aber ungewohnt kritisch „etwas sperrig“ und lädt die Zuschauer nach Filmende auf eine Sekt ein, den „Ihr dann auch nötig habt“.
Tatsächlich erinnert der Beginn von David Michods („Königreich des Verbrechens“ 2010) Endzeitdrama an Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968), wenn in einer endlos langen Porträtaufnahme eine Fliege auf dem Gesicht eines Mannes landet. Als er das Auto verlässt, zeigt sich das australische Hinterland noch trostloser als in Justin Kurzels großartigem „Snowtown“ (2011). Nach der nicht weiter beschriebenen Katastrophe ist die Einöde fast menschenleer, die wenigen Verbliebenen haben Anstand und Moral auf ein Minimum reduziert, es gilt schlicht das Recht des Stärkeren. Eingefangen in großartige Bilder erinnert „The Rover“ optisch auch an den ersten Teil von George Millers „Mad Max“-Reihe (1979). Zudem stehen David Michods zwei starke Hauptdarsteller zur Verfügung: Guy Pearce („Memento“ 2000, „Iron Man 3“ 2013) als Bauer, der alles verloren hat und seinem letzten Besitz hinterher hechelt und Robert Pattinson, der mit seiner guten, teilweise ergreifenden Darstellung einen debilen, jungen Mannes sein Image als Mädchenschwarm mit spitzen Zähnen („Twilight“-Serie, 2008-12) endgültig abgelegt haben dürfte. Dass trotz allem aus „The Rover“ kein richtig guter Film geworden ist, liegt daran, dass sich Michod viel zu sehr auf seine Darsteller und die tolle Atmosphäre verlässt. Nach einer flotten ersten Viertelstunde plätschert die story lange Zeit so vor sich hin, die so kurzen, wie mittelmäßigen Dialoge können nichts rausreißen. Nach einem dann wieder überzeugenden Finale ist die Auflösung, nämlich warum der Namenlose unbedingt sein Auto zurückhaben will, eher enttäuschend.
„The Rover“ wird hierzulande nicht im Kino laufen und startet am 31.10.14 im Heimkino. (7/10)

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