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Kaum ein Ort dürfte so sehr für geplatzte Träume stehen wie Hollywood und die damit verbundene Filmindustrie. So kommt es in der Stadt der Engel auch gelegentlich zur Begegnung mit dem Teufel, während das brachiale letzte Drittel "Starry Eyes" eventuell die Gemüter spalten könnte.

Sarah (Alex Essoe) arbeitet als Kellnerin und träumt vom Durchbruch in der Filmszene. Nach einem eher bescheiden ablaufenden Casting bleibt ihre anschließende Selbstgeißelung nicht unentdeckt und Sarah darf kurz darauf beim Produzenten vorsprechen. Doch damit lässt sie sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein...

Der kürzlich erschienene "Eat" weist einige Parallelen zum vorliegenden Streifen auf, denn es geht im Kern um gescheiterte Existenzen in Hollywood und den folgerichtigen Zerfall von Körper und Geist. In der ersten Hälfte lässt sich die Geschichte angemessen viel Zeit, um die Hauptfigur und ihre alltäglichen Bemühungen eingehender einzuführen, stets begleitet von einer unbehaglichen Atmosphäre in einer Stadt, die scheinbar latent unter einer Dunstwolke liegt.

Dabei wird zuweilen recht geschickt mit den sozialen Mechanismen in der Branche gespielt, etwa, als Sarah ihren Job in der Frittenbude kurzerhand hinwirft, um nach einem Rückschlag wieder winselnd zurückzukehren. Auch das Casting und der Besuch beim Produzenten entbehren nicht einiger Ironie, obgleich die dazugehörigen Klischees teilweise etwas zu plakativ eingeworfen werden.

Überraschend gestaltet sich indes der fast schleichende Übergang vom Drama hin zum Thriller, bei dem die surreale Komponente langsam Überhand gewinnt und Anleihen an einen populären Okkultfilm aus den Sechzigern nicht zu übersehen sind.
Im finalen Akt kommen schließlich Freunde blutiger Einlagen auf ihre Kosten, nachdem bereits einige Parallelen zu Cronenbergs typischen Body-Horror einflossen. Die handgemachten Effekte verlieren nicht ihre Wirkung und in den letzten Minuten sind deftige Gewalteinlagen and der Tagesordnung.

Ein Lob geht hierbei an das großartige Make-up, welches die Abwärtsspirale der Hauptfigur optisch sehr treffend untermauert, während ein gut ausbalancierter und stets auf den Punkt ausgearbeiteter Score für die Beklemmung auf akustischer Ebene sorgt.
Nichts zuletzt ist es jedoch Hauptdarstellerin Alex Essoe, die mit vollem Körpereinsatz eine unglaublich facettenreiche Leistung abliefert und als Herz der Geschichte grandios performt.

Die düstere Seite der Filmindustrie birgt zwar nicht allzu viele Überraschungen und es gibt auch ein paar eher unnötige Szenen, die für einige Längen sorgen, doch ein gewisser Sog ist dem Ganzen nicht abzusprechen. Eine Metamorphose als Sinnbild gescheiterter Hoffnungen in der amerikanischen Traumfabrik liefert zumindest Abwechslung im Einheitsbrei, nur wird im letzten Drittel etwas zu dick aufgetragen und die surrealen Elemente driften phasenweise etwas zu sehr ab.
6,5 von 10

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