Carcinoma (2014)
Es geschah mitten unter uns… Ein junger Mann erkrankt an Darmkrebs. Aus Angst verweigert er sich einer operativen Therapie. In seinem sozialen Umfeld, welches Leibfeindlichkeit predigt oder sich in der Verherrlichung von Äußerlichkeiten und Erfolg ergeht, findet er keine Unterstützung. Die folgenden Jahre, in denen der Tumor an Größe zunimmt, bedeuten für den Patienten mit zunehmender körperlicher Einschränkung den Verlust des Arbeitsplatzes sowie jeglicher sozialer Kontakte (basierend auf eine wahre Begebenheit)
Regisseur „A. Doran“ (Marian Dora) der spätestens nach seinem 2005 gedrehten „Cannibal“ Kultstatus und Bekanntheit in der deutschen Independent Liga erreicht hat und 2009 mit „Melancholie der Engel“ noch eins nach legte gehört zu der Sorte Filmemachern, die einen hohen Wiedererkennungswert in ihren Werken haben. Tabu Brüche, Skandal Filme, an Plakativität und Explizitheit kaum zu toppen, extrem hart, eklig und abnorm, fernab von Unterhaltungskino. Kontroverses Programm für Kenner intellektueller Künste. Diese Umschreibung passt so auch zu seinem neusten Werk „Carcinoma“ (Karzinome sind verschiedene Krebserkrankungen) wo es um den Leidesweg eines Darmkrebs erkrankten Mannes geht.
Die Umsetzung: Weniger ist mehr oder mehr ist noch mehr? Diese Frage scheint es für „A. Doran“ (Marian Dora) nicht zu geben, denn auch in „Carcinoma“ ist es selbstverständlich das man da, wo andere selbst im Genre beheimatete Filmemacher längst die Kamera ausschalten, hier erst recht voll raufgehalten wird und mit viel Detailliertheit ekelige Nahaufnahmen ästhetisch in Szene gesetzt werden. Da verwundert es nicht das Selbst in eigenen Reihen beim Genre Freund die Frage in den Raum geworfen wird: „Darf man das zeigen“ oder aber auch „Das geht deutlich zu weit“. Von daher schon mal alles wiedermal richtig gemacht, denn wer eine Grenze überschreitet, hat von vorneherein ein Diskussionsthema erzwungen und das mit dem angenehmen Nebeneffekt, das daraus schnell ein Kult wird. Denn noch lag vermutlich der Fokus hier nicht allein, denn Primär geht es erneut um die Message oder Philosophie von „A. Doran“ die gewohnt im nihilistischen Gewand daher kommt. Was mit „Cannibal“ begann, mit „Melancholie der Engel“ seinen ausführlichen Höhepunkt hatte und hier jetzt mit „Carcinoma“ noch mal unterstrichen wird, ist halt Programm für auserwählte. Das Problem des Films ist identisch mit den angesprochenen Vorgängern. Denn auch „Carcinoma“ ist für den „normal“ Zuschauer, der philosophisch und literarisch nicht mit der Thematik erfahren ist nur schwer zugänglich. So sieht der „eine“ nur einen ekelhaft kranken und geschmacklosen Film und der „andere“ sieht die große Intellektuelle Kunst in ihm. Um die Dramaturgie und die verschleierten Botschaften hier an dieser Stelle erörtern zu können, müsste man wohl mehr Platz zur Verfügung bekommen, sodass ich darauf verzichten werde. Nur so viel und in Stichworten. Römisch-Katholische Manipulation des Geistes führt zu einem Impuls eines Mannes, der an Darmkrebs erkrankte und sich nicht vom Arzt behandeln ließ. Natürlich auch im Kontext der Psychologie (Ängste) usw., was dazu führt, dass man als Zuschauer den Leidensweg bis zum Finale miterleben kann. Solange der Magen mitmacht, denn mit drastischen flüssig Kot Einlagen und anderen Körperflüssigkeiten muss man rechnen und das nicht zu knapp. Kurz und knapp: Es könnte extrem eklig werden… Die sonstige Umsetzung ist gewohnt ästhetisch und im ganz eigenen Stil. Kreativ wie technisch völlig in Ordnung für einen Independent Film mit niedrigem Budget.
Schauspielerisch zeigt sich „Carcinoma“ auf typischen Deutschen Independent Film Niveau. Da die Anforderungen nicht sonderlich hoch zu sein schienen, kann man sagen dass der Cast seine Arbeit ordentlich machte und teils auch authentisch wirkte.
Subjektiv fand ich „Carcinoma“ nicht ganz so gut und interessant wie „Melancholie der Engel“ aber nach der zweiten Sichtung doch als gelungen. Schade fand ich das Ich Parallelen zu „Thanatomorphose“ entdeckte, die aber bei Weitem nicht an die Effekte von Thanatomorphose ran reichten. Doch der Ekelfaktor, der hier nicht nur schockend, sondern auch faszinierend wirkte, hatte seinen Zweck nicht verfehlt, daher sehe ich „Carcinoma“ als gelungenen Film, der im Bereich „Kino kontrovers“ das beste Release 2015 sein dürfte. Gut gemacht Herr Doran!
Fazit:
„Carcinoma“ ist ein Film, der nicht dem Unterhaltungswert dient, sondern viel mehr ein wahrnehmbares Erlebnis provozieren will. Intensiv Kontroverses Ekel-Schock Erlebnis im typischen Dora Stil. Der Kenner intellektueller und grenzüberschreitender Künste wird ihn lieben.
Bewertung:
8,0 / 10 Punkte.