Review

Trotz überwiegend negativer Kritiken scheint sich "Shades of Grey" bei einigen Autoren und Filmemachern ein wenig festgesetzt zu haben. Das Grundkonzept als Kammerspiel dargeboten und mit minimalen Foltereinlagen angereichert, ergibt einen Thriller im Bereich Home Invasion, der auf psychologischer Ebene leider viel zu oberflächlich bleibt.

Alison (Megan Maczko) und ihr Mann Tom (Matt Barber) vögeln gerade ausgelassen, als der Fremde Aaron (Edward Akrout) die Wohnung betritt und das Liebesspiel jäh unterbricht. Tom wird geprügelt und in der Badewanne mit Seilen fixiert, während Alison ebenfalls an Seilen in der Küche baumelt. Aaron verlangt von Alison die bedingungslose Hingabe, ansonsten geht es Tom Stück für Stück an den Kragen...

Die Handlung steigt unvermittelt und ohne Vorgeschichte ein, denn ohne ersichtlichen Grund steht Aaron plötzlich in der Wohnung und läutet diverse Psycho-Spielchen ein. Ein Bezug zum Ehepaar ist nicht auszumachen, Motivationen seitens des Eindringlings sind zunächst nicht ersichtlich, doch augenscheinlich wünscht sich Aaron fürs Wochenende eine hörige Frau, welche mit simpler Küchenpsychologie in die Mangel genommen wird.

Gewalteinlagen gegenüber Tom halten sich allerdings in Grenzen, da viele Handlungen nur angedeutet werden und im Endeffekt lediglich abgetrennte Finger, ein Ritzen in der Brust und das Geräusch einer gebrochenen Nase zu sehen und zu hören sind. Erotische Einlagen finden sich indes nicht, mal abgesehen von zwei Sekunden ihres nackten Hinterns. Trotz der leicht beklemmenden Grundstimmung erwarten Freunde zeitgenössischer Genrefilme einfach mehr als massenkompatible TV-Momente, obgleich handwerklich als auch darstellerisch wenig anzukreiden ist.

Der finale Part vermag derweil ein wenig von den verpassten Chancen auszubügeln, denn obgleich der Twist bereits ab Mitte der Handlung absehbar ist, überzeugen einige kleinere Wendungen auf emotionaler Ebene. Das Gesamtkonstrukt bleibt zwar simpel gestrickt und es verlangt eine Menge Geduld ab, um in den letzten Minuten einigermaßen unterhalten zu werden, - die Pointe, wenn auch ein wenig mit frauenfeindlichen Zügen durchzogen, geht zumindest in Ordnung.

Was letztlich nicht heißt, dass der Film insgesamt überzeugt, denn davon ist er aufgrund der schwachen Spannungskurve und ausbleibender expliziter Szenen weit entfernt.
Gemessen am gängigen TV-Niveau reiht sich der Streifen des niederländischen Regisseurs Ate de Jong im Mittelfeld ein, doch spätestens seit "Them", "Insidious" oder auch "Sleep Tight" sollte innerhalb des Genres mehr als nur ein laues Mitfiebern gegeben sein.
4,5 von 10

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