Inmitten des sozialen Brennpunktes South Central in L.A., in dem Verbrechen und Gewalt an der Tagesordnung steht, wächst der junge Tre, gespielt von Cuba Gooding jr., auf, dessen Vater, gespielt von Laurence Fishburne, versucht, diesen zu einem ehrlichen, anständigen Menschen zu erziehen. Zusammen mit seinem besten Freund, gespielt von Morris Chestnut, will er an einem College studieren, bis die beiden in einen blutigen Bandenkrieg geraten, der ihre Pläne zu durchkreuzt.
Ghettodramen über den Abrutsch diverser Figuren in einen Strudel aus Verbrechen, Gewalt, Prostitution, Drogen und Korruption gibt es wie Sand am Meer, umso schwieriger ist es, etwas wirklich Neues zu liefern, ohne alte Stereotypen wieder aufzuwärmen, ohne den direkten Vergleich mit Dramen wie "Es war einmal in Amerika" oder "In den Straßen der Bronx" antreten zu müssen, der sowieso nur verloren werden kann. "Boyz N the Hood" hatte jedoch etwas neues: Den authentischen Einblick in ein Ghetto, in dem, historisch bedingt, nahezu ausschließlich schwarze Bewohner nah der, bzw. unterhalb der Armutsgrenze leben und auch heute ist das Erstlingswerk des seinerzeit gerade einmal 24jährigen Regisseurs John Singleton, der als jüngster und erster afroamerikanischer Regisseur für den Oscar nominiert wurde, noch einer der besten Filme seiner Zunft.
Der Einblick in das dargestellte Ghetto wirkt realistisch, vor allem, da die Story keine überdramatisierten Wendungen häuft, keine alten Klischees aufbereitet und weitestgehend auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Die Milieustudie ist damit schonungslos und desillusionierend und stimmt sehr nachdenklich, viel mehr kann eine Story eigentlich nicht leisten. Dasselbe gilt auch für die Charakterkonstruktion. Zwar sind die Hauptfigur und der beste Freund, genauso wie Tres Vater sehr sympathisch gestrickt, sodass der emotionale Zugang des Zuschauers zum Geschehen gegeben ist, aber es sind ausreichend Ecken und Kanten vorhanden, sodass der Film auch hier im Bereich dessen bleibt, was ein Höchstmaß an Authentizität zulässt. Der Plot als solcher ist gut konstruiert, so werden Spannung und Dramatik bis hin zum enorm spannenden Finale, das zum bersten gespannte 20 Minuten garantiert, vorangetrieben, auch wenn sich manche Handlungsabschnitte, wie etwa der Teil, in dem nach der Darstellung der Kindheit der eigentliche Plot startet, etwas zu lang andauern, aber diese Fehler sind marginal.
John Singleton bringt sein überaus gelungenes Drehbuch gekonnt auf die Leinwand, hält das Erzähltempo genau richtig, um die Dramatik permanent zu steigern und setzt seine Darsteller vorbildlich in Szene. Die Aufnahmen des Ghettos sind dabei hervorragend gelungen, so wirkt der Ort nicht so dreckig, düster und trostlos, dass es übertrieben gewirkt hätte. Im Gegenteil: Das Wetter ist meist gut, an manchen Stellen wirkt der soziale Brennpunkt beinahe einladend, wobei an den passenden Stellen immer wieder die Schattenseiten enthüllt werden. Die Filmmusik ist stimmig, der Unterhaltungswert ist enorm hoch und auch ansonsten unterlaufen Singleton bis auf ein paar kleinere Längen im Grunde keine Fehler. Mit einem etwas größeren Handlungskonstrukt, ein paar Nebenfiguren mehr und einer höheren Laufzeit, wäre der Meisterwerkstatus durchaus zu erreichen gewesen, aber auch so ist es ein überaus beachtliches Drama. Schade nur, dass Singleton, der hier, bei seinem Regiedebüt eine derart starke Arbeit zeigt, bis heute nicht an diese anknüpfen konnte.
Cuba Gooding jr. zeigt hier die bis dato beste Leistung seiner Karriere und stellt seine Figur absolut realistisch dar und überzeugt dabei auch an Stellen, an denen ganz große Gefühlsregungen gefordert sind. Laurence Fishburne, der im Gegensatz zu Gooding jr. zum Zeitpunkt des Drehs bereits auf eine zehnjährige Karriere zurückblicken konnte, in der er unter Anderem in "Apocalypse Now" und "Rumble Fish" zu sehen war, spielt seine Rolle ebenfalls enorm stark und sehr sympathisch und leistet sich keinerlei Fehler. Morris Chestnut, der hier seine erste Rolle spielt, ist nicht so gut, wie seine beiden Kollegen, spielt seine Rolle aber weitestgehend solide, auch wenn er sich stellenweise vielleicht ein paar kleinere Fehler leistet. Ice Cube, der hier ebenfalls erstmals vor die Kamera tritt, ist sowohl für solide Rollen, aber auch für extrem hölzerne Auftritte, wie etwa in "Ghosts of Mars" bekannt. Glücklicherweise leistet er hier als typischer Kleinkrimineller, der immer mit einem Bein im Gefängnis steht gute Arbeit in der Rolle, die zudem genau auf ihn zugeschnitten ist. Der restliche Cast überzeugt ebenfalls, wobei vor allem Angela Basset als Tres sympathische Freundin einen sehr guten Eindruck hinterlässt.
Fazit:
"Boyz N the Hood" gibt einen realistischen und schonungslosen Einblick in das Ghettoleben von L.A.. Dabei überzeugt er ebenfalls durch seine dramatische Handlung, seine überaus gelungene Inszenierung, als auch durch den starken Cast, womit er definitiv, trotz kleiner Längen, einer der besten Vertreter seines Genres ist. Unbedingt ansehen!
82%