"Boyz N the Hood" war der erste echte schwarze Ghetto-Film aus Amerika, der 1991 wie eine Bombe einschlug (man erinnere sich an die Straßenschlachten, nachdem Rodney King von der Polizei verprügelt worden war). Die Kritiker waren begeistert, während die Ghetto-Kids in den USA randalierten. Es war schließlich der erste Film, der sich mit dem Leben von jungen Afroamerikanern auseinandersetzte, ein Thema, das lange Zeit unbeachtet blieb.
Mit damals (außer Ice Cube) unbekannten Schauspielern, für die "Boyz N the Hood" als Karrieresprungbrett diente, drehte John Singleton ein aufrührendes Drama über schwarze Jugendliche in Amerika und schafft es, ohne übermäßig viel Blut oder Action eine eindeutige Botschaft zu senden.
Tre Styles (Cuba Gooding, Jr.) wächst in South Central, Los Angeles, bei seiner Mutter auf, seine Eltern leben getrennt. Als er gegen seinen eigenen Vorsatz (kein Streit in der Schule) verstößt, muss er zu seinem Vater, der aus ihm einen richtigen Mann machen soll. Und die Rechnung scheint aufzugehen, Tre entwickelt sich nach den Vorstellungen seines Vaters. Tre bekommt einen Job, eine Freundin und die Aussicht, aufs College zu gehen. Auch Chris (Morris Chestnut), sein bester Freund, bereits Vater, bekommt die Gelegenheit, zu studieren, da er hervorragend Football spielen kann. Sein Halbbruder Doughboy und die anderen der Clique hängen dagegen nur den ganzen Tag rum und trinken Alkohol, machen Frauen an oder schlagen sich.
Als Chris sich aber mit einem anderen jungen Schwarzen anlegt, der die Sache ernst nimmt, bleibt es nicht bei Handgreiflichkeiten...
* * * A C H T U N G S P O I L E R * * *
Die Botschaft des Films wird gleich am Anfang klar, als die Kamera auf ein Stopp-Schild zufährt. Die Ermordung von Chris und die damit verbundene Trauer seiner Mutter, deren Träume zerstört wurden, gehen wirklich sehr zu Herzen und lässt einem fragen, wieso sich diese Leute eigentlich umbringen (bei der nachfolgenden Schießerei taucht wenigstens das Rachemotiv auf).
Als Außenstehender kann man natürlich schwer beurteilen, ob es damals wirklich so zugegangen ist, aber der Film wirkt sehr glaubwürdig. Meiner Meinung nach hätte sich die Wirkung des Filmes aber noch verstärkt, wenn Tre erschossen worden wäre, denn das würde die absolute Hilflosigkeit und die Tatsache, dass immer wieder auch völlig Unbeteiligte (auch Kinder und Babys) bei den Ghetto-Schießereien ihr Leben lassen müssen, unterstreichen.
* * * S P O I L E R A U S * * *
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Trotzdem, jeder, der sich auch nur im entferntesten für das Leben (junger) Schwarzer in den USA interessiert, muss diesen Film gesehen haben, da es der erste Film dieser Art ist. Die musikalische Untermalung besteht nicht nur aus Rap, sondern auch aus Balladen und sogar Instrumentalmusik. Es sei jedoch ausdrücklich erwähnt, dass der Film 1991 gedreht wurde und der Rap damals noch weniger Melodien und Technik-Schnickschnack hatte als heute.
Die deutsche Fassung wurde, wie so oft, sprachlich entschärft, allerdings wird trotzdem noch viel geflucht und beleidigt. Vor allem Frauen werden verbal nicht gerade zimperlich behandelt.
John Singletons Regiedebüt kann alles in allem als vollkommen gelungen bezeichnet werden. Der Film war nicht umsonst der Startschuss für ein neues Subgenre.
Mit "Higher Learning" wurde "Boyz N the Hood" dann 1995 fortgesetzt.