Review

Inhalt:

China, in der Spät-Phase der manchurischen Qing-Dynastie. Cao Niangniang, die Lieblings-Konkubine des Kaisers Xianfeng, wurde von diesem in einer schwer zugänglichen, abgelegenen Vulkan-Landschaft an einem Krater in einer unterirdischen Grabkammer beigesetzt. Der Ort wurde geheimgehalten, damit die Kaiserinwitwen Ci´an und Cixi die Grabkammer nicht plündern konnten. Cao Niangniang soll mit einer unschätzbar wertvollen, riesigen und leuchtenden Perle im Mund bestattet worden sein. 

Mit ihr wurden 8 Dienerinnen in dieser Grabkammer eingemauert, die nun dem Tode durch Auszehrung geweiht waren. Doch einer von ihnen gelang es, zu entkommen...

Jahrzehnte später, die Qing-Dynastie ist nach der bürgerlichen Revolution von 1911 Geschichte. Mama Wang (Chang Ping-Yu) ist jene Frau, jene Dienerin der Konkubine Cao Niangniang, der die Flucht aus der Grabkammer gelang. Sie arbeitet unerkannt als Kindermädchen für die wohlhabende Familie des Oberhauptes Liu (Yuan Shen). Dieser hat mehrere Töchter, darunter die bildschönen Schwestern Qiao Erh (Tso Yen-Yung) und Hsiao Ho (Ling Yin). 

Die Banditenführer Chin Da-Kui (Chiang Yang) und Cui (Hsueh Han), "Fourth Uncle" genannt, haben von jener sagenhaften Perle gehört, und wollen diese erbeuten. Und sie wissen um Mama Wang, spüren diese auf, und bedrängen sie den Ort der Grabkammer preiszugeben. Doch Mama Wang flieht nachts, zusammen mit den Liu-Schwestern!

Der Weg ist voller Gefahren und es kommt zu etlichen Kämpfen. In einem bäuerlichen Gehöft finden die Frauen Unterschlupf. Zu diesen stößt ein starker Kämpfer, Luo Qiye (Wong Yung). Luo ist von einem Sicherheitsbüro engagiert worden, um die Banden zu vernichten. Doch die Frauen halten ihn zunächst für einen Spion der Gangster, und binden ihn an einen Pfahl. Derweil ist das Gehöft von den Banditen umstellt. Letztlich bündeln die Frauen und Luo Qiye ihre Kräfte. Es kommt zu einem heftigen Kampf, als die Banditen den Unterschlupf stürmen wollen.

Da die Banden zahlenmäßig übermächtig sind, müssen Luo und die Frauen mit den Gangstern zunächst eine Übereinkunft treffen. Es geht zusammen in jene Vulkan-Landschaft an einem Krater, und das Mausoleum, jene Grabkammer, wird gefunden. Die Loyalität unter den Frauen wird nunmehr brüchig, auch unter den Banden kann keiner dem anderen mehr trauen. 

Das Schicksal nimmt nunmehr seinen Lauf, und es kommt in der Grabkammer zum Show-Down, zum blutigen und gnadenlosen Kampf auf Leben oder Tod...!

Kritik:

Schöner Eastern!

Im Jahre 1973 drehte Regisseur Ting Shan-Hsi diesen seltenen, fast vergessen geratenen Abenteuer-Eastern für die Studios der Shaw Brothers. In keinem Shaw Brothers-Ranking im Internet auftauchend, ist "The Imperial Tomb Raiders" eine rare, kleine Perle im Kanon der Shaw Brothers, und ein spannender, gefälliger, atmosphärisch dichter, kurzer (lediglich 72 Minuten Laufzeit) flott unterhaltender und actiongeladener Eastern.

Hochglanzbilder, eine stilvolle Bildführung, eine dichte Storyline die einfach zu verfolgen ist, einmal mehr eine Top-Ausstattung ala Shaw Brothers und rasante, knallharte KungFu- und WuShu-Fightaction. Damit punktet dieser Eastern, der fast überraschend aufwändig umgesetzt, mit Auge für das Visuelle in Szene gesetzt wurde, zumal die Laufzeit eben so kurz ist und man eher einen kostengünstig erscheinenden Eastern-Actioner erwartet hätte. Doch der Aufwand, Ausstattung, Intensität und eine sich verdichtende Atmosphäre sorgen für einen insgesamt starken Eindruck, den dieser fast vergessen geratene Streifen der Shaw Brothers hinterlässt.

Die Story ist relativ einfach, eine Jagd nach einer sagenhaften Perle, diverse Parteien "Gut" gegen "Böse", viele Akteur*Innen -darunter verschlagene Villains, ein männlicher Held und bildschöne, junge Frauen deren Loyalität brüchig wird, als es finalisierend um den "Schatz" geht, also Twists die alles würzen- die ein immer intensiveres Spiel zeigen, und so verdichtet sich die Intensität dieses Film selbst denn immer mehr, bis sich alles in einem blutig-dramatischen Endfight entlädt. So ist denn "The Imperial Tomb Raiders" kein so simpel-kurzer Actioner wie es vorab und eingangs scheint, das ist ein gediegener, interessanter Abenteuer-Eastern, spannend, kernig, stark!

Wong Yung spielt den männlichen Helden, als kalter, kompromisslos-gewitzter und -trotz immenser weiblicher Unterstützung- letztlich einsamer, harter Kämpfer. Wong Yung spielt das stoisch, typisch für die Anti-Helden ala Bruce Lee damals im Eastern, schön. An seiner Seite, etliche junge chinesische Akteurinnen, allen voran die bildschöne Tso Yen-Yung als zerbrechlich scheinende doch taffe Fight-Lady mit Gewehr. Sie spielt das tapfer und solide. Die Damen sind jede in einem farblich anderen Outfit, da gibt es sozusagen "Die Gelbe", "Die Rote" (Tso Yen-Yung), "Die Grüne" usw., und so sammeln sie sich denn um Wong Yung. Diesen aber zunächst für einen Spion der Villains haltend, auch wieder so ein Twist im Script und der Regie.

Habe ich je eine schönere chinesische Actrice gesehen wie Tso Yen-Yung? Ja, denn an ihrer Seite, ihre ´Schwester im Film´, Ling Yin, die hat noch mehr das gewisse "Etwas", ist noch attraktiver. Und ihr Rollenbild ist interessant, denn als es um den unermesslichen Schatz am Ende geht, zerfällt ihre zuvor loyale Integrität. Das verlangt ein variables Spiel, und die äußerst attraktive Actrice meistert das. 

Chang Ping-Yu, eine reifere Darstellerin, ist das Bindeglied für ´die Guten´, ihre Figur ist jene Dienerin die lebendig begraben dem Schicksal entrinnen konnte, und daher um das Geheimnis des sagenumwobenen Schatzes weiß. Und somit ist sie die Gejagte, die von skrupellosen, habgierigen und eigennützigen Banditen -und anderen wie sich herausstellt- bedrängt wird. Sie wirkt in ihrer Rolle abgekämpft, weil älter geworden und nunmehr stets flüchtend, will sie nur endlich zur Ruhe kommen und die Vergangenheit abhaken. Chang Ping-Yu spielt das solide-überzeugend.

Die Villains, allen voran als Banden-Bosse Chiang Yang und Hsueh Han, stehen zahllosen Halsabschneidern und Schlägern vor. Habgierig, eigennützig, verschlagen und brutal, bedeutet ihnen ein Menschenleben herzlich wenig. Keiner traut dem anderen, der Hunger nach Reichtum enthemmt dann alles und jede/n, und ein gnadenloser, blutiger Show-Down mit hohem Bodycount ist da natürlich unausweichlich.

Die Stätten in denen sich das alles abspielt und am Ende dramatisch zuspitzt, sind glänzend gewählt. Zum einen einmal mehr die atmosphärischen Shaw-Sets, und diese von Rauchschwaden durchzogene und von steinbruchartigen Abhängen geprägte, offenbar äußerst abgelegene vulkanische Kraterlandschaft, sorgt unter blauem Himmel und südchinesischer Sonne für eine besondere atmosphärische Aura. Dort finden diese Kämpfe statt, und die Grabkammer selbst, eine unterirdische Todes-Halle, neblig-trüb, gruselig und unheimlich. Dort entlädt sich dann menschliche Habgier und Egozentrik.

Die Fightaction ist stark, klassische Techniken und reelles KungFu, kerniges Dubbing (Geräuschkulisse), rasante und knallharte Kämpfe. Auch WuShu, die Waffen-Fights mit Schwert und Pfeil/Bogen, dazu rassige Shootout-Action mit Gewehr und Revolver ala Italowestern. Und es wird viel gefightet, ein gefälliger Actioner mit am Ende hohem Bodycount und sich verdichtender, blutiger Gewalt.

"The Imperial Tomb Raiders", eine fast vergessene, rare, kleine Perle im Kanon der Shaw Brothers, solide, spannend, atmosphärisch dicht, intensiv und eisenhart. Gefällige, flott-kompakte Unterhaltung aus den Studios der Shaw Brothers.

8/10.

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