Review

Geisterjäger

Zwischen Kohle und Eis, zwischen verlorener Liebe und unterdrückten Frauen,
fällt es bei diesem chinesischen Noir vor lauter Eleganz schwer wegzuschauen.

Über zwei Polizisten auf der Jagd nach einem seltsamen Mörder, der die Leichenteile einst weit verteilte,
ist es Zufall oder ein ausgetüftelter Plan, an dem er lange feilte?!

Dieser Berlinale-Liebling ist ein Arthouse-Thriller aller erster Güte,
der Kameramann hat zweifellos was drauf und steht vielleicht in seiner Blüte.

Doch was befindet sich hinter den einlullend-hübschen Bildern und den sprunghaften Szenen,
was kann einem nach Betrachtung dieses Mordrätsels keiner mehr nehmen?

"Feuerwerk am helllichten Tage" verbindet den Film Noir mit chinesischem Realismus, Ruhe mit Vernunft,
man merkt, alle hier Beteiligten haben definitiv etwas drauf in ihrer Zunft.

Und dennoch bleibt am Ende Ernüchterung und ein zähes Unterfangen,
bei dem es zudem schwer fällt um irgendjemanden zu bangen.

Alles bleibt (zum teil gewollt) unterkühlt und auf Abstand, verloren und vergessen,
irgendwo zwischen "Zodiac" und "The Chaser" sind hier die Beteiligten weit weg und wie besessen.

Manche Bilder möchte man sich einrahmen, man bleibt am Ball und zumindest meine Neugier war nie ganz weg,
doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, man käme hier nicht wirklich vom Fleck.

Voller Understatement und versteckter Untertöne, intensiven Beobachtungen und sozialer Ungerechtigkeit,
doch der Inhalt und das "Fleisch", blieben bei mir leider merklich zurück hinter dem exquisiten Kleid.

Für geduldige Arthouse-Anhänger ist Diaos nächtliches "Nachlaufen" auf Eis und Schnee trotzdem einen Blick wehrt,
vor allem wenn man das entschleunigte Asiakino verehrt.

Fazit: sehr ruhig und verhalten, sehr dezent und mändernd, sehr mysteriös und stilvoll - phasenweise ein seltsam fremder Flickenteppich, eine echte Geduldsprobe, deren äußerst ansehnliche Bilder eine packendere Story und vor allem bessere, weniger sprunghafte Erzählweise verdient gehabt hätten. So stirbt dieser eisige Krimi ein wenig in Schönheit und Gefühlskälte, Zerstückelung und Lücken. Künstlerisch und schauspielerisch eine feine Sache, no question. Aber insgesamt mussten die Äuglein für meinen Geschmack etwas zu stark gegen das Zuklappen kämpfen...

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