Der irre, hünenhafte Killer Jacob Goodnight wurde am Ende von „See No Evil" recht rabiat ins Jenseits befördert - dachte man. Doch als er noch in derselben Nacht in die Leichenhalle gebracht wird, dauert es nicht lange, bis er wieder aufwacht und seinen religiösen Wahn, Sünder bestialisch zu bestrafen, weiter verfolgt. Zum Glück feiern hier gerade einige junge Leute eine Party, an denen er seinen Trieb blutig-brutal ausleben kann.
Der riesige Wrestler Glenn „Kane" Jacobs, die Horror-Ikonen Danielle Harris und Katherine Isabelle vor und die berüchtigten Soska-Sisters hinter der Kamera - das klingt nach einem wirklich hervorragenden Aufgebot für einen finsteren Slasher. Leider wird das geballte Potenzial dieser Genre-Legenden in „See No Evil 2" nur bedingt freigelegt.
Dabei beginnt der Film noch ziemlich souverän und vielversprechend: Das Setting leerer, dunkler, verwinkelter Gänge im Leichenschauhaus verströmt eine wahrhaft beängstigende Atmosphäre, die durch Beleuchtung und düsteren Score noch zusätzlich verstärkt wird. Die Figuren bleiben zwar oberflächlich und klischeehaft, werden aber recht gekonnt eingeführt und machen alles in allem einen sympathischen Eindruck. Zumal die Darstellenden durchaus veritable Leistungen für ein solches Genre-Werk abliefern - allen voran natürlich Katherine Isabelle als leicht pervers-morbide Nymphomanin und Danielle Harris in ihrer Standardrolle als knallhartes Final Girl.
Auch die Wiederauferstehung des Killers ist noch eine ziemlich cool umgesetzte Szene, in der Kane seine ganze beklemmende Körperlichkeit zum Einsatz bringt (auch wenn man darüber hinwegsehen muss, dass sich die Drehbuchautoren gleich gar keine Mühe für irgendeine Erklärung gemacht haben, warum der ziemlich derbe umgebrachte und offensichtlich seit Stunden tote Killer plötzlich wieder lebt). Überhaupt hätte seine Figur in Ansätzen durchaus das Zeug für einen anständigen Nachfolger von Jason Voorhees und co.: eine fiese Vergangenheit, ein riesiger Körper mit schier übermenschlichen Kräften und ein Faible für besonders garstige Tötungsarten.
Zumindest war das noch so im ersten Teil - und damit fangen hier die Probleme an: Wo „See No Evil" mit drastischen Splatter- und Foltereinlagen richtig zu schocken wusste, bleibt die Fortsetzung seltsam blutleer. Zwar werden im Anfangsteil immer wieder viele böse aussehende potenzielle Mordwerkzeuge vorgeführt, aber die tatsächlichen Mordszenen werden entweder gleich ganz ausgeblendet oder erfolgen irritierend unspektakulär - eine Frau wird mit purer Körperkraft zu Tode gequetscht, einer anderen im Vorbeilaufen die Halsschlagader aufgeschlitzt, ein Dritter wird zersägt. Das ist durchaus blutig und brutal, von der krassen Hardcore-Slasher-Ästhetik des Augäpfel ausreißenden Vorgängers bleibt das aber weit entfernt. Und das, obwohl die Soska-Sisters nun wirklich nicht für harmlos Gruselfilmchen bekannt sind.
Zu dieser für Slasher-Fans herben Enttäuschung gesellen sich im Verlauf des Films auch immer mehr stilistische und formale Mängel. Die Story leiert nach der gekonnten Einleitung recht schnell aus: Ständig rennen die Leute endlose Gänge entlang und rütteln an Türen, die seltsamerweise alle abgeschlossen sind und für die auch niemand einen Schlüssel hat. Der Mörder taucht wiederholt aus unmöglichsten Richtungen auf und die finale Auflösung erfolgt ebenso klischeehaft wie vorhersehbar und vollkommen sinnbefreit. Mit der Logik hapert es hier fast mit jeder Szene mehr. Dazu kommen bedeutungslose Dialoge, sich gern dümmlich verhaltende Nebenfiguren und eine irgendwie ziellos wirkende Inszenierung, die aus den dunklen einsamen Gängen des Leichenschauhauses nicht wirklich das Beste rausholt. Selbst die offenbar als zentrale Überraschung gedachte Wendung gegen Schluss kommt irgendwie zu unspektakulär daher. Und dass Kane als Wrestler die Gelegenheit für den einen oder anderen Kampf bekommt (die darin bestehen, dass er halb so große Typen quer durch den Raum prügelt), wirkt dann schon beinahe unfreiwillig komisch.
Insgesamt ist diese Fortsetzung ein eher enttäuschendes Werk der Soska-Sisters, auch wenn die erste halbe Stunde noch mit düsterer Atmosphäre und eindrücklichen Bildern überzeugen kann. Für Genre-Fans gibt es hier aber nicht wirklich Neues zu entdecken, und von der professionell umgesetzten Ästhetik abgesehen bleibt „See No Evil 2" ein ziemlich hohles Fließband-Produkt.