Aufgrund des beachtlichen finanziellen Erfolges von Witchboard (Witchboard - Die Hexenfalle, 1986) ist es keine Überraschung, daß in weiterer Folge zwei Sequels produziert wurden. Weit verwunderlicher ist es da schon, daß es ganze sieben Jahre dauerte, bis das erste davon auf den Markt gebracht wurde. Witchboard 2: The Devil's Doorway ist keine Fortsetzung des populären Originals, sondern ein völlig eigenständiger Film, der eine ähnliche Geschichte in neuem Rahmen erzählt. Keine einzige der Figuren des Vorgängers kehrt zurück, als verbindendes Element fungiert lediglich das Ouija Board. Und ebenjenes fällt nun in die Hände der jungen, unsicheren Angestellten Paige (Ami Dolenz), die eben erst in das nette, von Elaine (Laraine Newman) und deren Mann Jonas (Christopher Michael Moore) vermietete Loft gezogen ist, um etwas Abstand von ihrem Ex-Freund Mitch (Timothy Gibbs) zu gewinnen und um ihre künstlerische Ader - die Malerei - auszuleben. Als sich das Hexenbrett auf ihre unbekümmert in den Raum geworfene Frage "Hello? Anybody home?" plötzlich bewegt, ist ihre Neugierde geweckt, und sie beginnt es zu benutzen. Und erfährt so von Susan Sydney (Julie Michaels), die vor zwei Jahren hier wohnte und behauptet, ermordet worden zu sein. Russel (John Gatins), der jüngere Bruder von Elaine, ist jedoch überzeugt, daß sie noch lebt und daß sich jemand anderes als Susan ausgibt. Bald ereignet sich ein gräßlicher Unfall.
Nach seinen Filmen Night of the Demons, Witchtrap, The Cellar und Peacemaker kehrte Kevin S. Tenney mit Witchboard 2 zur Thematik seines Spielfilmdebuts zurück. Wie beim Original schrieb er auch hier wieder das Drehbuch und führte erneut Regie, und tatsächlich ist es ihm gelungen, nahezu alle Qualitäten, die Witchboard auszeichnen, ins Sequel herüberzuretten. Das bedeutet, daß er abermals die ansprechend charakterisierten Figuren in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, daß er die verschiedenen Horrorelemente geschickt in die sich langsam aber stetig entwickelnde Geschichte integriert, und daß er seine Cast und Crew trotz des nicht allzu hohen Budgets zu Höchstleistungen anspornt. Tenney legte ja schon immer Wert auf eine hochklassige Kameraarbeit, das zieht sich durch das Gros seines Oeuvres (man denke etwa an den von der Kamera verfolgten Absturz in Witchboard, oder an die Bullet-Cam in Witchtrap). So enthusiastisch wie hier hat er sein Steckenpferd allerdings noch nie durch einen Film getrieben. Neben einigen hübschen, originellen Einstellungen sowie der oft sehr angenehm dahingleitenden bzw. -schwebenden Kamera beeindrucken uns Tenney und sein DoP David Lewis mit ein paar sensationell ausgeklügelten Kamerafahrten, wie man sie in B-Movies selten findet. So bewegt sich die Kamera unter anderem durch ein Schlüsselloch und durch ein fahrendes Auto und "flüchtet" aus einem Fenster im zweiten Stock hinaus in die Nacht.
Aber auch die Darsteller tragen das ihre zum Gelingen des Filmes bei. Christopher Michael Moore gibt den Schmierlappen mit Gusto, Laraine Newman (Invaders from Mars) ist herrlich exzentrisch, Julie Michaels (Road House) punktet mit Charisma und Sex-Appeal, und Timothy Gibbs (The Kindred) verleiht der Wandlung seiner Figur recht überzeugend Ausdruck. Star der Show ist allerdings zweifellos Ami Dolenz (Ticks aka C2 - Killerinsect), nicht aufgrund ihrer schauspielerischen Fähigkeiten, sondern wegen ihres natürlichen, liebenswerten Charmes. Die Dame ist einfach super-sympathisch, und easy-on-the-eye noch dazu. Bei den Set-Pieces legte Tenney eine ordentliche Schippe drauf; die sind diesmal wesentlich spektakulärer. Mein Favorit ist die Sequenz mit der Abrißbirne; die hätte sich auch in der The Omen-Reihe gut gemacht. Optisch ist Witchboard 2 sehr ansprechend gestaltet, unterscheidet sich aber in Look und Stimmung stark vom Original. Der Streifen kann zu keiner Zeit verhehlen, daß er ein Kind der Neunziger ist. Die zwei, drei Traumszenen sind schick in Szene gesetzt, und die wohldosierten Schockmomente sind ebenfalls ganz nett, obwohl sie bestimmt niemanden vom Hocker reißen. Witchboard 2 ist somit ein gut gemachter, unterhaltsamer und sympathischer Horrorfilm, der sich nur einen Vorwurf gefallen lassen muß: Daß er sich trotz des frischen Whodunit-Elements mehr wie ein Remake als wie ein Sequel anfühlt.