Es war einer dieser grauen Herbsttage, an dem man das heimische Sofa ohnehin nur sehr ungern verlässt, als die Herzensdame den Vorschlag unterbreitet: „Schatz, lass uns doch mal was Romantisches anschauen!“
Vor dem Hintergrund, die Herzensdame das ganze Jahr über überwiegend mit mittelmäßigen Horror-Schinken zu quälen, kann man diesen Wunsch schlecht ablehnen. Also müssen wir (oder besser gesagt, ich) da durch…
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ lautet der unheilschwangere Titel, der in diversen Kritiken immer erstaunlich gute Noten erhalten und von der deutschen Filmbewertung immerhin das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen bekam, was auf Schmalz von höherem Niveau hoffen lässt.
Die Story ist schnell erzählt: Hazel Grace ist todkrank und vom Krebs gezeichnet. In der ungeliebten Selbsthilfegruppe trifft sie auf den lebensfrohen Augustus und zwischen beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft… aber wie der Titel schon durchblicken lässt, meint es das Schicksal nicht gut mit den beiden.
Der Zuschauer taucht sofort ein in die Geschichte, fühlt von Beginn an mit beiden Protagonisten mit, die so unbeschwert und authentisch spielen, dass das Zuschauen Freude und Leid zugleich ist. Zweifellos ein Verdienst der beiden Hauptakteure Shailene Woodley und Ansel Elgort, deren tragische Geschichte berührt und zu Herzen geht, ohne in sentimentale Klischees zu versinken. Man erlebt die Geschichte der beiden Charaktere nicht nur als Patienten, als vom Schicksal gezeichnete Kranke, sondern auch als Freunde und Liebende. Obwohl mir die Nebengeschichte mit dem Besuch des verehrten Schriftstellers Van Houten anfangs nicht so gefallen hat entwickelt gerade diese Begegnung eine Dynamik, die spätestens in den letzten Minuten des Films zu einem großartigen Konsens führt. Ein beiläufiger Besuch des Anne Frank-Hauses in den Niederlanden wird dank großartiger Kameraarbeit wie eine Huldigung zweier heimlicher Helden inszeniert und so passen die vielen kleinen Erlebnisse perfekt in die Handlung.
In diesem Zusammenhang fällt die nicht allzu kurze Spieldauer von über zwei Stunden kaum ins Gewicht: Gespannt und gebannt verfolgen wir die Leidensgeschichte von Hazel Grace und Augustus und bemerken kaum, wie schnell die Zeit bis zum erwartet tragischen Ende vergeht.
Was dem Regie-Nobody Josh Boone mit seinem erst zweiten Werk gelungen ist, kann man als Glücksgriff des modernen Gefühlskinos bezeichnen. Die ergreifende Geschichte der beiden Liebenden lässt selbst den härtesten Action-Helden garantiert nicht kalt. Wenn ein Film den Kinosaal in ein Meer der Gefühle verwandelt, muss man anerkennen, dass der Regisseur die Zuschauer erreicht hat – und zwar nicht mit einer triefenden Schnulze, wie man sie schon viel zu oft gesehen hat, sondern mit einer warmherzigen und jederzeit nachvollziehbaren „Ode an das Leben“.
Ich muss gestehen und festhalten, dass es kaum ein anderer Film jemals geschafft hat mich so zu berühren und nachdenklich zurückzulassen. Für diese Leistung gibt es hochverdiente...
9 / 10