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Found Footage ist offenbar noch lange nicht vom Tisch, obgleich seit geraumer Zeit Abnutzungserscheinungen bei der einen oder anderen Geschichte festzustellen sind. Regiedebütant Matty Beckerman probiert es im Bereich der Außerirdischen, - nur leider ist von denen bis auf zwei kurze Einstellungen rein gar nichts zu sehen.

Die Familie Morris will mit ihren drei Kindern beim Campen am Brown Mountain in North Carolina entspannen, während Riley, Autist und jüngster Sprössling der Sippe, nahezu alles mit der Handkamera festhält. Als eines Nachts helle Lichter nahe der Zelte tanzen, ahnen sie noch nicht, welche Hatz ihnen schon bald bevor steht...

Dummerweise wird das Ende bereits zu Beginn durch Texteinblendungen und Bilder vorweggenommen, so dass es im Grunde nur noch auf die Reihenfolge der familiären Entführung ankommt. Die Individuen sind bis auf Riley leider recht durchschnittlich geraten: Eine ganz normale Familie ohne einen schrägen Vogel, wobei ab einem bestimmten Zeitpunkt auch gar keine Zeit mehr für Figurenentwicklungen bleibt.

Recht atmosphärisch wurden demgegenüber diverse böse Vorzeichen umgesetzt, etwa als es Dutzende toter Krähen regnet oder zahlreiche verwaiste und größtenteils offen stehende Fahrzeuge rund um einen Tunnel entdeckt werden, das Navigationsgerät spinnt und die ersten Lichter am Horizont wahrgenommen werden. Etwas stimmt hier ganz und gar nicht, doch leider weiß man ja bereits, was in absehbarer Zeit folgen wird.

Und so verkommt besonders der Mittelteil zu einer austauschbaren Hatz, bei der noch ein halbwegs interessanter Redneck eingebunden wird, doch die üblichen Mechanismen eines Slashers werden ideenlos aneinander gereiht, so dass vom Verschanzen im Verschlag und Flucht durch den Wald alles abgearbeitet wird, wobei die Kamera immer dann Störsignale aufweist, sobald sich die außerirdische Macht nähert.

Jene Störsignale werden auf Dauer jedoch überstrapaziert, da phasenweise nur Millisekunden eines Fragments zu sehen sind und es zudem noch über weite Teile recht dunkel ist, was insgesamt ein geduldiges Auge und ein wenig Fantasie beansprucht. Für einen Elfjährigen in latent prekärer Situation hält die Kamera allerdings teilweise zu versiert drauf, was auch nicht durch Autismus gerechtfertigt werden kann.

Beim Einsetzen des Abspanns sollte man hingegen nicht vorzeitig abschalten, da noch zwei, drei Szenen nachgeschoben werden, was sogar einen kleinen Twist beinhaltet.
Obgleich ein paar fiktive Interviewfetzen vor und nach der eigentlichen Geschichte integriert sind, fallen etwaige Erklärungen reichlich dürftig aus, denn auch in dieser Hinsicht hebt sich das Werk nicht vom Durchschnittsbrei ab, während die Mimen immerhin passabel performen und einige fast schon apokalyptisch anmutende Momente ein paar atmosphärische Akzente setzen können.

Unterm Strich okay für eine Sichtung in anspruchsloser Stimmung, latent spannend oder gar mitreißend gerät die Angelegenheit, schon aufgrund der mangelnden Präsenz der Außerirdischen jedoch nicht.
4,5 von 10

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