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Fünf junge Leute - zwei Pärchen etwa Anfang Zwanzig und ein jüngerer Bursche - haben sich für eine Wanderung im Wald entschieden, zu der sie im Geländewagen anreisen. Doch der Weg durch die Natur erweist sich als beschwerlicher als angenommen, und als die Dämmerung hereinbricht, haben sie sich irgendwie verlaufen.
Längst sind die üblichen Streitereien darüber, wer daran schuld ist, ausgebrochen, als plötzlich eine monsterartige Kreatur aus dem Dickicht springt, sich den zuhinterst laufenden Burschen krallt und diesem die Brust aufreißt. Die anderen merken schnell, daß sie dem Freund nicht mehr helfen können und rennen in wilder Flucht davon. Zu ihrem Glück finden sie mitten im Wald ein Haus, in das sie sich flüchten können.
Die Fenster des Hauses sind notdürftig mit einzelnen Latten verrammelt, und drei weitere Flüchtige haben sich dort versteckt - ein weiterer Twen und ein Paar mittleren Alters. Diese sind schon ein bißchen länger dort, suchen dort ebenfalls Schutz vor der Bestie, wissen aber auch nicht, wie man ihr entkommen kann. Gemeinsam schleppt man weitere Möbel vor die Türen, damit die Kreatur nicht doch noch ins Haus kommt. Die schleicht derweil um das einstöckige Gebäude, als wolle sie einen vergessenen Durchschlupf entdecken...

Vor 10 Jahren entstand unter der Regie von Brett Simmons dieser Slasher mit dem einfallslosen Titel Animal, der allerdings schon damals, 2014, viele Jahre zu spät kam und wohl eher als eine Hommage an die Genre-Ikonen der 1980er Jahre aufzufassen ist. Nach bekanntem Muster, d.h. ohne allzu große Vorgeschichte, verirren sich Mandy, Alissa, Matt, Jeff und Sean im Wald, woraufhin sie angegriffen werden und gleich der Erste dran glauben muss. Verstärkt durch Vicky, Carl und Douglas sind es dann immerhin 7 Leute, die sich diesmal - statt eines axtschwingenden Hinterwäldlers - eines Monsters erwehren müssen. Das Gefühl der Unvorhersehbarkeit, ob die Kreatur nicht doch noch einen Weg ins Haus findet, hält dabei eine gewisse Grundspannung aufrecht.

Bezüglich der Filmcharaktäre gibt es wenig Erwähnenswertes: so ist der ältere Carl unerschrocken und besonnen, der ganz junge Sean schwul und überängstlich, Mandy trägt ein so enges Oberteil, daß es ihre flachen Brüstchen fast nach oben herausdrückt, Afroamerikanerin Alissa wird immer zorniger und schwört dem Monster Rache, während Glatzkopf Douglas, der in Animal die Rolle des Film-Arschlochs übernimmt, mit einer haarsträubenden Idee aufwartet. Eigentlich alles wie gehabt.

Etwas mehr Beachtung verdient daher die eigentliche Bedrohung, das Monster: das ist einem Alien nachempfunden und hat mehrere Reihen weit hervorstehender, messerscharfer Zähne im Gesicht. Meistens sieht man die Bestie (in der übrigens ein kostümierter Komparse steckt) nur ausschnittsweise, wenn sie sich im üblichen Schnellschnittgewitter ein Opfer holt und diesem die Brust aufhackt. Das meiste Gemetzel findet dann auch außerhalb des Bildschirms statt, wenn zuckende Körper und spritzendes Blut dezent darauf hinweisen, daß gerade wieder jemand ausgeweidet wird. Die Optik des furchterregenden Alien-Schädels jedoch, der im späteren Filmverlauf auch ausreichend lang und von allen Seiten zu sehen ist, verdient sich ein Lob: kein hanebüchen billiges CGI-Getrickse wie beispielsweise in den dafür berüchtigten Asylum-Produktionen, sondern ein in seiner ganzen Häßlichkeit immerhin überzeugender Monster-Kopf - dies hätte man einem kostengünstig produzierten B-Movie wie Animal eigentlich gar nicht zugetraut.

Während man an der sehr vorhersehbar und ohne größere Twists ablaufenden Handlung außer ihrer - freilich bei den Vorbildern abgeschauten und wiedergegebenen - Ideenlosigkeit somit nicht wirklich etwas bemängeln kann, sind es eher einzelne Logikfehler, die einem dann doch auffallen: zum einen denkt niemand der im Haus Befindlichen daran, sich in irgendeiner Weise zu bewaffnen (Küchenmesser, Stuhlbeine, eine Axt etc. muss es dort doch geben) und das Monster gemeinsam zu bekämpfen, statt immer nur schreiend davonzulaufen. Auch der Umstand, daß der/die Angegriffene der Kreatur einfach so überlassen wird, ohne daß die anderen irgendwie eingreifen, wirkt durch deren Tatenlosigkeit ziemlich unnatürlich. Außerdem scheint das Alien, das sich immer nur ein Opfer herauspickt, aber nie auf mehrere Leute losgeht, helles Licht zu fürchten - auch dies ein Umstand, den sich die Gruppe nicht zunutze macht. Fackeln, Taschen-, Stirn- und Handylampen für ein gemeinsames(!) Vorgehen wären durchaus vorhanden. Aber solch ein konzertiertes Vorgehen gegen die Bedrohung passt halt nicht ins Skript - war ja in den 1980ern auch nicht anders...

Fazit: Animal ist ein schnörkellos inszenierter, straigt durcherzählter Retro-Slasher, der erfreulicherweise auch gar nicht mehr sein will als eine Erinnerung an vergangene Schlitzerfilm-Zeiten. Das sind schon mal sichere 4 Punkte  - plus ein Extrapunkt für den optisch überzeugenden Alien-Verschnitt: 5 Punkte.

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