Auf beinahe 50 Filme haben es die Geschwister Brandl in den letzten Jahren gebracht und dabei wurde meistens ohne sonderliches Budget produziert. Beim vorliegenden Werk standen immerhin um die 10.000 Euro zur Verfügung, was Drehs an diversen Punkten Europas ermöglichte, - eine Tatsache, welche die Qualität des Streifens nur geringfügig aufpoliert.
Tess lässt sich von ihrem Freund Nikolai zu einem neuartigen Experiment überreden: In einem Geheimlabor wird das Mittel "Somnia" verabreicht und kurz darauf befindet man sich mit weiteren Probanten innerhalb eines mittelalterlichen Fantasy-Umfeldes, in dem Krieger, Magier und sonstige Gestalten gegeneinander antreten. Tess kann nicht genug von der Parallelwelt bekommen, doch dann gerät das Experiment aus den Fugen...
Wer nicht auf totalen Trash steht, dürfte die viel zu lang geratenen 133 Minuten kaum ohne Nebenwirkungen überstehen, denn die überstrapazierten Farbfilter und computergenerierten Einfärbungen diverser Landschaften wirken zuweilen zwar treffend surreal, die meiste Zeit über jedoch willkürlich eingesetzt und anstrengend zu verfolgen. So färbt sich das Meer schon mal rot bis gelb, Farbfilter überziehen ganze Figuren und nur selten kommen dabei stimmungsvolle Momentaufnahmen heraus.
Hier mangelt es nicht zuletzt an einer Hauptfigur, da Tess eher als Spielball anderer Charaktere fungiert und das Treiben in der Fantasiewelt von Station zu Station keinen wirklichen roten Faden verfolgt. Mal begegnet man Amazonen, dann grunzenden Wächtern, es folgt der Gang durch eine Tropfsteinhöhle (mit deutlich sichtbaren Absperrungsseilen) und ein Kampf auf einer Art Burg (bei dem im Hintergrund mehrfach ein zeitgenössisches Wohnhaus zu sehen ist).
Die entsprechenden Kostüme sind als solche natürlich deutlich erkennbar und diverse S/M-Clubs wurden offenbar auch abgeklappert. Der Krieger mit neongrünem Wischmop auf dem Kopf löst immerhin ein Schmunzeln aus und auch der extrem bayrische Akzent bei einigen Mimen lockert das Treiben zuweilen ein wenig auf, doch ansonsten ist bei alledem leider kein Augenzwinkern auszumachen.
Obgleich es einige kämpferische Auseinandersetzungen gibt, fällt die Choreo recht dürftig aus, wobei die ansonsten brauchbare Kamera kaum kaschieren kann, dass die meisten Darsteller nicht allzu beweglich erscheinen. Das gilt auch für deren Mimik, denn hölzern sind nicht nur die Gesichtsausdrücke, auch die Dialoge wirken größtenteils wie halbherzig auswendig gelernt und anschließend betonungslos vorgetragen.
Immerhin kommt die prinzipiell passable Grundidee mit einer kleinen Wendung um die Ecke, was den finalen Akt mittels einer Parallelmontage zwischen Labor und Fantasiewelt fast schon spannend erscheinen lässt. Nur leider verhindern auch hier die überaus schwachen Laiendarsteller ein Mitfiebern auf höherem Niveau.
Ein gewisser Charme ist der Produktion im Endeffekt nicht abzusprechen und die Brandls waren gewiss mit viel Herzblut bei der Sache, doch das Werk dürfte allenfalls hartgesottene Trashfans ansprechen, die mit den Filmen der Geschwister bereits ein wenig vertraut sind und diese im Verlauf zu schätzen gelernt haben.
Der Streifen schwankt zwischen abgrundtief peinlich, skurrilen Momentaufnahmen und unterhaltsamen Humbug und ist somit mit Vorsicht zu genießen.
Knapp
4 von 10