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Filme aus den 80ern lassen sich kategorisieren in die eher ruppigen, düsteren und schwarzmalerischen Visionen und die bunten, lebensfrohen und hedonistischen Eskapaden. Love-Fighters, im Original Tuff Turf, steht mit seiner Inszenierung irgendwo zwischen den Stühlen und hat es bei Zuschauern wie Kritikern daher nie einfach gehabt.
Regisseur Fritz Kiersch hatte zuvor mit seinem Debut Kinder des Zorns auch einen etwas eigenwilligen, nicht zuletzt wegen der Stephen King Vorlage aber erfolgreichen, Film abgeliefert. Hier scheint er ebenso etwas ratlos ob der Vielzahl an Elementen, die das Autoren-Terzett in das Drehbuch zu Love-Fighters – Tuff Turf quetschte.

So erlebt der zugezogene Neuling Morgan Hiller (James Spader) in L.A. ein beinhartes Gangregime, welches nahezu an Massaker in Klasse 13 erinnert. Der Rennradfahrer legt sich nicht nur sofort mit den Halbstarken an, die optisch dem Film The Warriors entsprungen sein könnten. Er will auch gleich die Braut des Bosses Nick (Paul Mones) haben, wobei Kim Richards als Frankie Croyden auch wirklich ein Hingucker ist, obschon als Nackedei gedoubled. Diese langen Haare sind schon imposant. Nur im Schlagzeuger Jimmy (Robert Downey Jr.) findet Morgan einen Freund und Verbündeten.
Love-Fighters – Tuff Turf fällt zunächst durch die Loslösung von allen Regeln auf. Die Gangmitglieder schweben in diesem typisch juvenilen Zustand der Unantastbarkeit und Unsterblichkeit. Gemeinsam schaukeln sie sich hoch und geben sich Rückhalt bei ihren Taten, wobei dazu Überfälle von Passanten genauso gehören, wie das beinharte Mobbing des neuen Schülers.
Auch Morgan ist dabei kein Kostverächter. Von seinem Vater (Matt Clark) dazu angetrieben, sich dem Mysterium Leben hinzugeben anstatt zu versuchen es zu enträtseln, steckt er die oftmals physischen Attacken weg und macht mit seiner Vorstellung von Gerechtigkeit aus Love-Fighters – Tuff Turf so etwas wie die Teenager-Variante eines Rachethrillers.

Anstatt stetig vom passablen Soundtrack angetrieben zu werden, ist der Film eher von musikalischen Segmenten durchsetzt, die das Schwofen auf einem Rockkonzert genauso beinhalten, wie die Tanzeinlage, bei der sich die Protagonisten energisch in den Fokus zappeln. Auch die kleine, uneingeladen auf einer Clubveranstaltung dargebrachte Ballade am Flügel mit Blick in die Augen der Angebeteten darf in Love-Fighters – Tuff Turf nicht fehlen.
Während Lichtblicke der Leichtherzigkeit immer im brechenden Kontrast durch die Schicksale der Hauptfiguren stehen, offenbart sich das wesentliche Problem. Love-Fighters ist mit seinen gut 111 Minuten einfach zu lang und unausgeglichen.
Eigentlich ist es ja höchst ehrbar, etwa mit dem Tod der Mutter von Frankie und einem strategischen Heiratsantrag, den Nick “seiner” Frankie unterbreitet, Tiefe in die Figurenzeichnung zu bringen und die Konflikte dadurch nachvollziehbarer zu machen. Auf der Strecke bleiben in Love-Fighters – Tuff Turf etwa die interessanten Aspekte der ödipal angehauchten Beziehung von Morgans Mutter (Claudette Nevins) zu seinem ausgemachten Yuppie Bruder Brian (Bill Beyers), während der gescheiterte Vater als Taxifahrer für den Lebensunterhalt sorgen muß.

Gleichzeitig soll Love-Fighters – Tuff Turf aber auch sowas wie ein Karate Kid ohne Karate sein, ein Footloose ohne Tanzverbot oder welche 80er Klischees man in homöopathischen Dosen eben aus der Story lesen mag. Die Einflüsse holte man sich teils aber auch direkt bei …denn sie wissen nicht, was sie tun und West Side Story ab.
Demzufolge wechseln in Love-Fighters – Tuff Turf die aufmüpfigen Alltagsszenen der durchweg viel zu alten Darsteller in einem Kaleidoskop zeitgenössischer Konfektionsästhetik mit dem schier endlosen Zwist zwischen dem Protagonisten und seiner Nemesis, bis tragische Fehlleistungen die Gemüter aufwühlen. Obwohl die rosafarbene Bubblegum-Atmosphäre einer typisch-zeitgenössischen Zero-to-Hero Geschichte umschifft wird, versucht man dann den Abspann noch einmal mit einer fröhlichen Musikeinlage aufzulösen, was nach dem Aufbäumen des Bösewichts nach feinster Art des Terminator vermutlich den Heimweg für die jüngeren Kinobesucher erleichtern sollte.

Love-Fighters – Tuff Turf ist in diesem Arrangement spätestens dann als Teen-Exploitation entlarvbar, wenn man sich die Nachlässigkeiten der drögen Dramaturgie vor Augen führt. Insbesondere die Rhythmik der gesetzten Schnitte fällt oftmals als fahrig auf. So wird durch die Gegenüberstellung von eher desinteressiert wirkenden Einstellungen und dann wiederum im Timing untergehenden Detailaufnahmen oftmals nicht klar, ob sich in einer groß angelegten Sequenz eine bestimmte Spannung aufbauen sollte, oder einfach das gesamte Material verbraten worden ist.
Am Ende herrscht der prophetische Charakter vor, als Robert Downey Jr. und James Spader ein Graffiti mit dem Schriftzug “The New Avengers” passieren. So mag man zu den erzählerisch-inszenatorischen Qualitäten sowohl von Love-Fighters – Tuff Turf als auch Avengers: Age of Ultron geteilter Meinung sein. Aber woher wußte man wohl, daß die beiden Schauspieler nach 30 Jahren für dieses Franchise verpflichtet werden würden?

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