Review
von Leimbacher-Mario
Dreister Charmebolzen
Nachdem Bruno Mattei (hier mal wieder als Vincent Dawn unterwegs) mit „Roboman“ mit simpelsten und (un)inspiriertesten Mitteln „Predator“ und „Robocop“ kombiniert hatte und damit teilweise mein Herz erwärmen konnte, wollte ich mir den ebenfalls heftig zusammengeklauten „Shocking Dark“ aka „Alienators“ aka „Contaminator“ aka „Terminator 2“ nicht entgehen lassen. Hier nimmt der Kopierkönig zwei James Cameron-Überhits - „Aliens“ und „T2“ - und steckt sie in das postapokalyptische Venedig. Oder zumindest in tiefergelegte Industrie- und Lagerhallen, die die Hafenstadt in einer zerstörten Zukunft darstellen sollen. Und dort treiben dann plötzlich kunterbunt schleimige Monster und ein unkaputtbarer Robotermann ihr Unwesen...
Von kleineren Bezügen bis zu kompletten Szenen und Handlungssträngen (Newt oder die Szene mit den näher kommende Aliens auf dem tragbaren Wärmesensor) - es ist schon enorm, dass Cameron dazu nichts Böses zu sagen und klagen hatte. Aber vielleicht hat er auch einfach ein Herz für solchen naiven Italostuss, gefühlt gedreht mit fünf Lire und drei Eierkartons, der seinen Meilensteinen natürlich nie gefährlich werden will bzw. diesen trotz aller Abpauserei immer noch irgendwie einiges an Ehre und Bewunderung erweist. Es ist ein erweiterter Fanfilm im Grunde. Eine Art „Kung Fury“ seiner Zeit - nur eben unbewusst und The Real Deal. Klar mit Augenmerk auf den schnellen Dollar in den Bahnhofskinos der damaligen Welt - aber genauso sehr mit Leidenschaft und Wahnsinn gesegnet wie mit Gier. Vielleicht sogar noch mit mehr. Die wenigen Monster-, Gore- und Spezialeffekte können sich sehen lassen, aus mehr als begrenzten Mitteln holt man dann (doch irgendwie kreativ) viel heraus. Und wann sieht man schon mal einen Robotermenschen durch Venedig tapsen?! Irgendwie ist das süß und skurril, doof und drollig, bizarr und bierernst. Und gerade durch Letzteres wieder sensationell witzig. Und es ist genauso erstaunlich wie toll, dass selbst solche Euro-Kuriositäten mittlerweile in pristiner Qualität erstehbar sind - selbst wenn man sie jahrelang nur in unterster VHS-Quali gewohnt war und das fast schon zu ihnen dazu gehört...
Fazit: frech vielleicht. Bösartig nie. Sympathisch meist. Kurios fast immer. Witzig durch die Bank. „Shocking Dark“ ist ein Potpourri fremder Blockbusterideen im billigsten Italogewand - aber mit einer Menge Flair und (unfreiwilligem) Humor. Als ob die Müllabfuhr einen auf Arnie und Ripley macht. Bravurös.