Cinecittas Problembär Bruno Mattei schlägt wieder zu. Diesmal toppt der Schlockmeister seine eigene Formel ein weiteres Mal: statt sich nur mit dem kreativen Ausschlachten eines Filmes zu begnügen dienen diesmal zwei Fremdwerke als Grundlage für "Contaminator - Die Mordmaschine aus der Zukunft" und beide auch noch vom selben Regisseur. Jepp, der große Fastfoodfilmer Italiens plündert den Terminator und das erste Alien - Sequel bis auf die Knochen aus und kocht die Erfolgsrezepte beider Filme auf die gewohnten flotten 90 Minuten herunter. Eine recht fleischfreie Brühe, die aber auf Trashebene einiges an unterhaltsamen Wumms bietet.
Apropos Brühe: Das einst schöne Venedig steht in diesem Film bis zum Halse in selbiger, haben fehlgeschlagene Experimente doch die Stadt entvölkert und in das italienische Gegenstück zu Duisburg Marxloh verwandelt. Dementsprechend beschränkt sich die heimische Flora und Fauna auf Tonnenweise Grünalgen im Wasser und Horden von hungriger Mutanten, die in der Kanalisation ihren Hunger an neugierigen Wissenschaftlern stillen.
Als mal wieder eine solche Expedition von den schlorzigen Glibbermännern verfrühstückt wird schickt die genervte Tubula Corporation die Wissenschaftlerin Dr. Drumbull samt der Militärspezialeinheit "Megaforce" und des hauseigenen Sicherheitsexperten Samuel Fuller als Gefolge in die unterirdischen Eingeweide der Stadt, um dem Problem auf den Grund zu gehen bzw. es bei der Gelegenheit gleich zu beseitigen. Dabei kommen die wahren Beweggründe des scheinheiligen Konzerns nach und nach ans Licht (SPOILER: die Entvölkerung Venedigs zur Wohnraumgewinnung) und auch die Gummiefassade des ungeouteten Cyborgkillers Fuller schmilzt im Laufe der Handlung dahin.
Meine Erstsichtung vor ungefähr sechs Jahren erfolgte per VHS - Rip und begleitet von einer Pizza und einem Sixpack Bier. Dabei ist kein Mischkonsum von Nöten, um diesen herrlichen Flickenteppich von Film zu genießen. Mattei klaut wie ein Rabe, während Claudio Fragasso als Drehbuchautor seine liebe Mühe hat, die entwendeten Aspekte rechtlich hinreichend zu verfremden. Was in der Regel bedeutet, dass er sämtliche geklauten Szenen auf 11 dreht: Gueretta Giancarlo ist in ihrer Rolle als Costa, der Personalunion aus Hudson und Vasquez aus Aliens, deutlich rassistischer als die Originalcharaktere, die Newtstellvertretung deutlich hysterischer etc. In Sachen Effekte, Kulissen und Kostüme hingegen dreht man den Regler meist um zehn Stufen zurück, wobei das Make uo von Christopher Ahrens aka Fuller doch sehr ansehlich ist. Der Stromschlag, den er im Laufe der Handlung erleiden muss lässt mich dennoch bei jeder Sichtung lachend aufschreien.
Herr Ahrens ist im Übrigen eine Erinnerung daran, dass gutes oder überhaupt irgendwelches Schauspiel für einen unterhaltsamen Film nicht von Nöten ist. Das Dreiergespann aus Costa, ihrem dümmlichen Amikumpel Kane und ihrem Erzfeind Franzini sowie den Truppenführer der Megaforce kann eh nichts übertreffen, Dr. Drumbull leistet eine solide Leistung, während der Newtklon Samantha mir eine ganze Spur zu kreischig ist (was ich als Fan von Overacting leider nur sehr ungerne zugebe). Und wir deutschen Zuschauer haben mit Sprechern wie Gudo "Gonzo" Hoegel, Ekkehardt Belle und Sandra "Bart Simpson" Schwittau wie üblich den Synchronbonus. Aber gut, als bekennender Synchronfetischist kann ich auch nicht leugnen, dass man mir mit den richtigen Stimmen auch den letzten Rotz schmackhaft machen könnte.
Der Film ist ein Hochgenuss des Schwachsinns, der mir die filmisch verschrienen Endachtziger im Italokino doch noch irgendwie schmackhaft machte. Klar ist das hier nichts, was auch nur ansatzweise an die Originale heranreicht, aber verdammt nochmal, was macht dieser Film Spaß, auch ohne Bier. Während wir den Film hierzulande auf VHS dahingerotzt bekamen hatte er in seiner italienischen Heimat übrigens eine Kinoveröffentichung. Schade, dass man uns dies ersparte, das wäre ein grandioser Ausklang für das Todesjahrzehnt des Italotrashes gewesen.