Leider distanziert sich dieser italienische Mafiathriller von seinen weitaus besseren Genrekollegen von der ersten Minute ab sehr deutlich, obwohl die internationalen Stars zunächst weitaus mehr Klasse vermuten lassen und immerhin der legendäre Samuel Z. Arkoff als Produzent beteiligt war.
Regisseur Maurizio Lucidi („Ein Hallelujah für Django“, „Halleluja... Amigo“) inszeniert in San Franzisko und zum kleineren Teil auch in Sizilien sehr nüchtern und einsilbig eine überschaubare Fehde innerhalb der Machtstrukturen des organisierten Verbrechens. Angesichts der sechs erwähnten Drehbuchautoren (u.a sogar Ernest Tidyman, „Shaft“, „The French Connection“) kann man sich unschwer ausmalen, wo hier unter anderem der Hund begraben ist. Zu viele Köche verderben den Brei.
Lucidi gelingt es zunächst einmal nicht wie einige seiner Kollegen (u.a. Alberto De Martino mit „Im Dutzend zur Hölle“) die amerikanische Metropole als längst nicht so verbrauchte Kulisse für seinen Thriller einzusetzen, sondern bietet eine leider sehr dröge Inszenierung die ihren Möglichkeiten ständig hinterherläuft. Dabei besitzt San Franzisko unwahrscheinlich viel Flair, das man nur einzufangen braucht. Damit wäre schon die halbe Miete zu holen gewesen.
Roger Moore überbrückte zu diesem Zeitpunkt zwischen „The Man with the Golden Gun“ und „The Spy Who Loved Me“ gerade die Pause bis zu seiner nächsten Mission und untermauert mit dieser Rolle, dass Bond-Darsteller es nicht leicht haben zwischen ihren Aufträgen gute Engagements zu erhalten. In der deutschen Fassung zudem auch noch mit einer völlig unpassenden Synchronstimme (Erik Schumann) ausgestattet, agiert er dementsprechend nur halbwegs motiviert als englischer Anwalt Ulysses. In Sizilien geboren, hat er in England Jura studiert und steht nun seinem Onkel Salvatore Francesco (Ivo Garrani, „Milano Kaliber 9“, „Holocaust 2000“), einem mächtigen Mafiachef, in Amerika mit Rat und Tat zur Seite, um dessen Umsatz am amerikanischen Steuersystem vorbeizuschleusen. Als Salvatore aus Gutherzigkeit den dort heimischen Fischern anonym ein Kreuz schenken will, das direkt aus Sizilien geschickt wird, fühlt er sich in seiner Ehre gekränkt. Das Kruzifix wurde heimlich mit Drogen gefüllt, die auf dem Markt einen Wert von einer Millionen Dollar hätten. Erbost darüber, setzt er Ulysses darauf an, die Hintermänner auszumachen...
Auf der einen Seite soll sich in Folge ein halbherziges Drama entwickeln, das bis in Jugend von Ulysses zurückreicht und den Tod seines Vaters betrifft. In mysteriösen, ausgebleichten Flashbacks und mit den Worten eines Priesters wird in die Vergangenheit geblickt, aber bis zum Schluss nur angedeutet anstatt erklärt. Eigentlich wird dieses Motiv aber nur zwischendurch von Maurizio Lucidi aufgegriffen, denn das zentrale Thema bleibt immer noch die Aufklärung des Missbrauchs. Da sind sich auch alle Mafia-Oberhäupter nach einer kurzen Diskussion schnell einig, dass der Kopf des Schuldigen zu rollen hat.
Ulysses, der daran glaubt aus dem Konflikt seinen Nutzen ziehen zu können, ruft deswegen seinen Kumpel Charlie Hanson (von Harald Juhnke (!!) synchronisiert: Stacy Keach, „The New Centurions“, „Roadgames“) zu sich. Der Rennfahrer ist für das Grobe zuständig und darf in zwei längeren Verfolgungsjagden, die leider zu unspektakulär in Szene gesetzt werden, auch sein Können unter Beweis stellen. Mit Keachs Eintreffen hält dann auch zunehmend der Humor Einzug, welcher aber nicht sonderlich mit der Ernsthaftigkeit des Themas harmoniert. So witzig seine minutenlange Verschrottung einer Luxuskarosse auf den Straßen von San Franciscos auch ist, sie passt nicht zur Stimmung des Films.
In einem unangenehm niedrigen Tempo fragen sich die beiden durch schummrige Kneipen oder Nachtclubs und hoffen auf Hinweise. Ulysses fliegt sogar kurz nach Sizilien, um an eine Liste von Auswanderern zu gelangen, die ein Priester mit dem Leben bezahlen muss. Mit Glück treffen sie dann auf das verantwortliche Trio, das sich mittellos in die Hände von Kredithaien begeben hat, weil der mysteriöse Hintermann sie noch nicht wieder kontaktiert und ausbezahlt hat.
Trotz einiger rabiater Augenblicke springt der Funken auch während der Ermittlungen nicht über. Dafür läuft die Schose schlicht zu belanglos und spannungsfrei ab. Stacy Keach hat offensichtlich seinen Spaß, aber der zunehmend zerfahrene Plot offenbart kaum neue Erkenntnisse. Erst ein aufklärender Dialog zum Schluss sorgt dann für Durchblick. „Abrechnung in San Franzisko“ tapert bis dahin leider viel zu lang auf der Stelle herum, so dass insbesondere die Suche nach den drei Handlangern zu einer Geduldsprobe ausartet. Das Duo muss sich darüber hinaus auch gar nicht großartig anstrengen, um die Drei aufzustöbern, sondern fragt sich einfach solange durch, bis sie fast über die abgebrannten Italiener stolpern.
Die wenigen Verfolgungsjagden per pedes (u.a. auf Hausdächern) und Pkw (u.a. im Duell mit zwei Lastzügen auf einer Passstraße) sind leider zu unspektakulär getrickst und die meisten Darsteller agieren darüber hinaus leider auch nicht so, als würden sie ihre Rollen mit überbordendem Enthusiasmus angehen. Der Genrefan erkennt immerhin noch einige bekannte Gesichter (u.a. Pietro Martellanza) wieder.
Die Härte und die Leidenschaft bekannter Mafia-Thriller geht „Abrechnung in San Franzisko“ genauso ab wie eine klare Ausrichtung. Das halbamüsante Treiben des ungleichen Duos Ulysses / Hanson, die mit reichlich Humor ihre Spur verfolgen und das wiederum ernste, aber dramatisch verpuffende Geheimnis zwischen Ulysses und seinem Ziehvater Francesco widerspricht sich einfach viel zu sehr, als dass beide Motive nebenher problemlos bestehen könnten. So springt die Stimmung ständig und lässt erst gar keine Spannung aufkommen. Dramaturgisch versagt der Film so schwankend ausgerichtet auf ganzer Linie. Vor allem der langwierige Mittelteil des Films, in der das Geschehen kaum vorankommt, erweist sich als eine sehr zähe Angelegenheit.
Die viel zu oberflächliche Figurenzeichnung zieht den Unterhaltungswert dabei weiter runter. Ulysses möchte man zum Schluss noch notdürftig ein paar Emotionen zuschustern, aber die letzten Minuten werden so hastig abgehandelt, als wolle man endlich Schluss machen. Verständlich irgendwie.
Fazit:
Schwach inszenierter, tempoarmer und unkonzentriert geschriebener Mafia-Thriller aus Italien, der trotz seiner amerikanischen Kulisse kaum über sehenswerte Momente verfügt. Roger Moore und Stacy Keach agieren bestenfalls solide, die Action wird handzahm und unspektakulär inszeniert, aber die Geschichte taugt leider überhaupt nicht. Anstatt eines packenden Thrillers, in dessen Verlauf sich sicher auch noch die schicksalhafte Vergangenheit verwurzeln ließe, konfrontiert Maurizio Lucidi mit seiner akzentlosen Regie das Publikum mit einem witzig aufgelegten Duo, das sich durch einen ideenlosen Plot gen Auflösung müht. Die in diesem Genre sonst beheimatete rigorose Härte, deutlich hervortretene Emotionen und bessere Actioneinlagen hätten dem müden Treiben sicherlich gut getan. Kein Film, den man als Italo-Fan mehr als einmal gesehen haben sollte. Packende, spannende und harte Mafia-Thriller, die inzwischen längst Klassiker-Status genießen, brachte Italien in diesen Jahren zuhauf zustande. „Abrechnung in San Francisco“ gehört leider nicht dazu.